04.12.2006

Letzte News aus der Mongolei


Das doch noch fertig gewordene, neue Chingis Khan Denkmal. Es sollte eigentlich an Nadam, meinem Ankunftswochenende eingeweiht werden.

Büro ade - International Volunteers Day - Packen - ... und tschüss!

Die letzten Tage im Büro habe ich gemütlich genommen. Ich überarbeitete nochmals die Desertifikations Datenbank und wurde von Munkh überall gelobt, wie gut meine Arbeit sei und wie gut ich mit ihr zusammen gearbeitet habe. Mir war es schon fast peinlich und mein Arbeitszeugnisentwurf war dem entsprechend voller Lobgesang und Markus Dubach (SDC Country Director und der oberster Chef) musste noch einige Änderungen vornehmen. Ich habe, das alles mitbekommen, weil ich Munkh fragte, ob ich nicht das Layout machen könne. ihr Computerkurs hat nämlich nicht so gefruchtet, so dass ihre Dokumente immer noch ein layouterische Durcheinander sind.
Beim Report über das Bewässerungssystem gab es in der letzten Woche dann plötzlich auch noch Antwort auf meine schon lang gestellten Fragen und ich musste noch einige Änderungen vornehmen. An die Art wie die Mongolen Fragen beantworten, habe ich mich bis am Schluss nicht richtig gewöhnt. Wenn man nicht bis ins letzte Detail fragt, dann bekommt man auch keine Antwort. Ein Beispiel:
Auf die Frage wie viele Gärtner auf dem Feld in Mazar bag anbauen, bekam ich die Antwort 48 und einige davon seien in Kooperativen organisiert. Als ich dann nachfragte, wer im Keller sein Gemüse lagern kann, war die Antwort, der Keller ist in vier Teile aufgeteilt. Zwei für die Kooperativen, einen für die Non-Koopertive Gardeners und der vierte für Organisationen. Wie bitte, was für Organisationen? Antwort: auf dem Feld pflanzt auch noch ein Spital und ein Schulheim an. Ob diese beiden Organisationen in den 48 Gärtnern enthalten sind oder nicht, weiss ich bis jetzt noch nicht.


Chingis Kahn: das neue Denkmal mit dem grössten Mongolen aller Zeiten in Lebensgrösse.
Ein alter Mongole vor dem neuen Denkmal.

Kinder, warm eingepackt, auf dem Weg in den Kindergarten.


Am Sonntag wurden Rebekka und ich von den UN Volunteers an den International Volunteers Day eingeladen. Wir trafen uns um 10.00 Uhr vor dem schwer bewachten UN Gebäude mit noch anderen vor allem Asiatischen Volunteers und machten uns dann auf in den Choroo (den Ger Distrikt, wo ich schon einmal einen Spaziergang beschrieben habe). In einem Gebäude, das von lokalen Volunteers in ein Informationszentrum umgebaut wurde, sassen wir dann in mitten vor allem mongolischer Volunteers und lauschten den verschiedenen Ansprachen, wie wichtige freiwilligen Arbeit sei und wie viele Volunteers es in der Mongolei gebe. Als sich dann die einzelnen Organisationen vorzustellen begannen und die Sprach definitiv nur noch Mongolisch war (anfangs wurde alles noch auf Englisch übersetzt) entschlossen wir (Catarina, eine Schweizerin, die Englisch unterrichtet, Rebekka und Mareke, eine Koreanerin) uns einen Spaziergang durch die Gersiedlung zu unternehmen.
Obwohl es eisigkalt wird nach nur zehn Minuten draussen, beobachteten wir, wie ein Lastwagen Wasser zu einem Verteilerhäuschen brachte und die Bewohner mit Plastikkübeln in einer Reihe werteten.
Auch von den restlichen Präsentationen verstanden wir nicht all zu viel, blieben aber anstandshalber bis am Schluss. Um uns dann wieder richtig aufzuwärmen machten wir Schweizer uns zusammen mit drei Koreanischen Volunteers auf in ein Cafe, wo wir den restlichen Abend verbrachten.


Am International Volunteers Day: die mongolischen Voluteers lauschen gespannt.

Eingang des Schwarzmarktes: nach zweistündigem Shopping ist man recht durchfroren.
Mein Lieblingsrestaurant: Tsuivan und Sutezää für MNT 1300 (nach Rebeka: ein mongolisches Loch).


Natürlich war in den letzten Tagen auch noch Souvenirshopping angesagt. Am Samstag unternahm ich mit Rebekka eine ausgedehnte Shoppingtour (ich darf ihre Souvenirs in die Schweiz transportieren, da Übergewicht bei der Aeroflot billiger ist und sie noch weiter nach Vietnam reist, um ihren Freund Fabian, der dort sein Praktikum absolviert, zu besuchen). Am Montag war dann nochmals der Schwarzmarkt auf dem Plan. Damit ich nicht am Schluss nochmals übers Ohr gehauen werde, kam Nomin, die Mongolin, die mich am Flughafen abgeholt hatte, mit und handelte für mich die Preise runter.
Am späteren Abend traf ich dann in einer Bar nochmals alle Schweizer (die noch hier sind) und die anderen am Sonntag kennen gelernten Volunteers für einen Abschiedstrunk. Wir verbrachten einige gemütliche Stunden, was mir den Abschied natürlich nicht gerade leichter macht.

Heute morgen putzte ich meine Wohnung und sitze jetzt zum letzten Mal an meinem Pult. Sobald dieser Blog fertig ist, werde ich mich auf Abschiedstour durch das Büro begeben und dann früh ins Bett gehen. Ich muss mich morgen um 5.00 Uhr auf den Weg auf den Flughafen machen.


Beim Abschiedsumtrunk: Rebekka, Tjoung, Makere, Stone (drei Koreaner).


Eine mongolische UN Volunteer (deren Name ich vergessen habe) und Isabel.


Annatina, Inhee (Koreanerin) und Catarina. Die zwei Schweizerinnen unterrichten Deutsch bzw. Englisch und werden der Kälte bis zum bitteren Ende trotzen.


Hm... am Ende sollte wohl noch ein Fazit kommen. Also mein Aufenthalt in der Mongolei war einsame Spitze. Ich habe viel gelernt über das Land und die Mongolen. Weiss nun, dass sie nicht alle als säbelrasselnde wilde Horde durch die Steppe reiten, sondern dass sie lieber bei Airag (oder Vodka) zusammen in der warmen Ger Karten spielen. Auch ist das Land nicht ganz so unterentwickelt, wie in meinem Reiseführer beschrieben ist und kann durchaus von ganz normalen Touristen besucht werden. Ich verlasse das Land ohne Zäune mit einem weinenden Auge, wer weiss, ob ich jemals wieder hierher zurückkomme... Aber ich freue mich genau so euch alle in der Schweiz wieder zu treffen.

Letzte Grüsse aus der kalten Mongolei und bis bald in der Schweiz.
Raphi