29.08.2006

Zu den Lamas in den Norden


Kloster Amarbajasgalant (links), im Vordergrund ein Owoo (volksreligions Zeichen).

Amarbajasgalant - Steeperiders II

Unser russisches Gefährt.
Am Freitagmorgen früh trafen wir uns für den Trip in den Norden, für den wir einen russischen Minivan inklusive Fahrer gemietet hatten. Da Rebekka den Abt des Klosters telefonisch nicht mehr erreicht hatte, nahmen wir Essen und Wasser für die ganzen drei Tage mit, d.h. mein Rucksack war nur mit Wasserflaschen gefüllt (30 Liter).
Wir holperten los und mussten bald feststellen, dass unser Van nicht über 70 km/h kommt, obwohl vor uns ein Weg von 350 km lag. Wir stellten uns also auf eine lange Fahrt ein. Unterwegs versuchten wir dem Fahrer (Ochdo) klar zu machen, dass wir gerne den Geierfels besuchen würden. Vorauf wir nach den ersten 100 km von der Teerstrasse auf die Piste abbogen. Das Geholpere nahm zu 100 Prozent zu. Der Geierfels, der weder von Geiern bevölkert wurde noch nach Geier aussah, beeindruckte uns berggewohnte Schweizer nicht wirklich, aber unseren Beinen war ein kurzer Spaziergang gerade recht.
Irgendwann als die Strasse nur noch gerade durch die Steppe verlief, stoppten wir am Strassenrand um zu picknicken. Ochdo wurde natürlich auch von uns verpflegt, obwohl wir nie herausfanden, ob ihm unser schweizerisches Picknick mit Gemüse, Käse und Brot wirklich schmeckte.
Tempel im Kloster.
Eine der Gottheiten (Weisheit).
Als wir nach ca. 300 km Fahrt bei einem Wegweiser zum Kloster Amarbajasgalant von der Teerstrasse abbogen und durch die Hügel fuhren, begann sich der Himmel zu verdunkeln und Regen setzte ein. Wir staunten nicht schlecht, als uns auf dieser Strecke ein Auto nach dem anderen entgegen kam, nahmen wir doch an, dass wir in ein abgelegenes Buddhistisches Kloster unterwegs waren. Auch der Platz vor dem Klostertor war mit unzähligen Autos übersät und als wir uns im grossen Tempel umsehen wollten, wurden wir von einer riesigen, aufgeregten Menge Mongolen fast überrannt. Es ging zu und her wie auf einem Marktplatz. Die Menschen hielten weisse Zettel hoch und bekamen in der Mitte des Tempels von den Lamas irgendwelche Sachen zurück. Später erfuhren wir vom Abt, dass eine dreitägige Zeremonie stattgefunden habe, bei welcher die Gläubigen eine Box (z. T. verzierte Kelche) mit Dingen (z. B. Süssigkeiten) gefüllt die ihnen wichtig sind. Diese Boxen werden dann gesegnet und nach Hause genommen, wo sie ein ganzes Jahr nicht geöffnet wird und so Glück und Segen über Haushalt und Familie bringt.
In diesem Tohuwabohu hatten wir keine Chance den Abt zu finden und hingen ein bisschen ratlos im Kloster herum, wussten wir doch nicht, wo wir übernachten sollten. Als sich jedoch unser Fahrer gerade um ein Zimmer in einem Hotel (= Häuschen mit einigen Zimmern) bemüht hatte, kam ein junger Lama und rief uns zu Lobsang (Abt). Er begrüsste uns herzlich und führte uns in ein Gercamp, das vom Kloster seit diesem Sommer geführt wird. Es ist die erste kommerzielle Einnahmequelle des Klosters, welches dringend Geld für die Erhaltung der hölzernen Tempel braucht.
Nach dem Abendessen zeigte uns der 26 jährige Abt den Tempel und beantwortete einige unserer Fragen zum Buddhismus. Wir erfuhren unter anderem, dass alles was in einen Tempel gebracht wurde, dort mind. 3 Tage bleiben muss, also auch jeglicher Abfall den die Tausend Gläubigen heute dort liegen liessen.
Am nächsten Morgen, nach einigen süssen Gebäcken, machten wir uns auf zu acht Stupas (Reinkarnationen Buddhas) an einem Hügel in der Nähe. Als wir uns einigen Gebäuden näherten, öffnete uns eine Frau einen Tempel. Wir genossen die Aussicht und das schöne Wetter, bevor Meli und Rebekka in der Küchenger Pasta kochten. Die mongolischen Frauen schauten interessiert zu, boten ihnen Fleisch für in die Sauce an und konnten kaum glauben, dass Schweizer Pasta ohne Fleisch essen und erst noch Thymian von der Weide ins Essen streuen.
Danach trafen wir uns im Kloster wieder mit Lobsang. Er erzählte uns über das Leben im Kloster und erklärte uns einige Symbole des mongolischen Buddhismus. Da er jedoch an diesem Tag nach UB musste, hatte er nicht so viel Zeit, worauf er einen jungen Mönchen uns die restlichen Tempel zeigen liess. Dieser schien nicht allzu motiviert und hörte die ganze Zeit über Kopfhörer Popmusik.
Acht Stupas, die sieben ersten symbolisieren die Reinkarnationen Buddhas, die letzte das Nirvana.
Nach einer weiteren kühlen Nacht in der Ger (wir hatten zwar einen Ofen, den Odcho jeweils fast zum Glühen brachte, aber der auch ebenso schnell wieder abkühlte) machten wir uns auf die Rückfahrt. Kurz nach dem Tankstop wurden wir von einem Polizisten angehalten. Wir dachten zuerst, es handle sich nur um eine Fahrzeugkontrolle, doch dann mussten wir alle unsere Passkopien zücken. Leider hatte Meli keine dabei, was den Polizisten dazu veranlasste einfach mal zehn Minuten in unser Auto zu sitzen. Ich gab ihm dann die Telefonnummer des SDCs, doch niemand hob ab. Der Polizist erreichte dann jemand, der Englisch sprach und wir erfuhren, dass Meli eine Busse von MNT 10‘000 zu bezahlen hat.

Blick vom Klostergelände ins Tal, durch das wir ritten.
Unser idyllischer Zeltplatz.
Am nächsten Tag war Waschen und Packen für den Pferdetrip bei den Stepperiders angesagt. Um fünf Uhr wurden wir von Jenny persönlich abgeholt. Ausser uns kam auch noch Anna (Schweizerin auf Asienreise) mit und später lernten wir dann noch Lucy (Engländerin) kennen. Nach dem Abendessen spielte zuerst mein Magen und dann in der Nacht Melis Magen verrückt, doch am nächsten Morgen war zum Glück alles wieder ok. Wir sattelten unsere Pferde, beluden sie mit unserem Gepäck und los ging‘s in die weite Ebene. Begleitet wurden wir von Minde (Geschäftspartner von Jenny) und Ulzij (Jenny‘s Freund). Wir trabten und galoppierten durch ein Tal, über einen Pass und nach einem Zwischenhalt in einem Städtchen gelangten wir an die Parkgrenze des Mandzushir Klosters, das ich schon einmal besucht hatte (Ausgangspunkt der misslungenen Wanderung). Wir Ausländer mussten wieder MNT 5000 für den Eintritt bezahlen. Nun ging es durch ein Wäldchen bis zur Klosterruine, wo wir die Pferde grasen liessen und das Gelände erkundeten.
Nach dem unsere zwei mongolischen Begleiter das Campingmaterial geholte und das durchgebrannte Pferd von Ulzij wieder eingefangen hatten, ging es noch etwas in die Hügel hinauf, wo wir unser Nachtlager aufschlugen (Chinesische Zelte vom Schwarzmarkt, die schon etwas gelitten hatten). Wir machten ein Feuer und kochten eine mongolische Suppe (Hammelfleisch und Nudeln). Den drei Frauen war das etwas zu mager, worauf sie dann am Feuer bei Vodka, offeriert von Mende, von Schoggi-Banane und gebrannten Marshmellows zu schwärmen begannen.
Die zwei Mongolen verbrachten die Nacht im Freien, um die Pferde zu bewachen und als wir uns wieder aus unseren Zelten geschält hatten, ging es ohne Frühstück los. Zum Glück nicht weit. Im Restaurant des Klostergercamps gab es wieder mal Suutezä und süsse Gebäcke, die Meli langsam aber sicher zum Hals heraushingen.
In gestrecktem Galopp ging es dann ins Tal hinaus. Meli lieferte sich auf ihrem schnellen Pferd mit Ulzij ein Renne und ich konnte nicht mithalten, weil sich mein Sattel gelöst hatte. Nach dem Tränken der Pferde am Fluss, ging es zurück zum Camp. Die Pferde von Anna und mir waren plötzlich die schnellsten und kamen als erste ans Ziel.
Wieder zurück in UB galt es noch eine Anzahlung für den Trip in die Wüste zu erledigen und dann zu packen, denn am nächsten Morgen mussten wir früh aufzustehen.

25.08.2006

Mit Meli in der Mongolei


Ehrendenkmal für russische Soldaten, mit prächtiger Aussicht über Ulaanbaatar.
Ankunft - Sightseeing - Wanderung

Am Freitagmorgen nahm ich das Taxi zum Flughafen. Es war noch sehr wenig Verkehr unterwegs und ich schnappte mir das zweite Auto, das vorbeifuhr. Der Fahrer schien das Wort Airport zu verstehen, fuhr dann aber plötzlich in die entgegengesetzte Richtung. Als ich ihn zurechtwies, stimmte die Richtung dann. Später stellte sich dann heraus, dass er einfach einen längere Route wählen wollte (der Taxifahrer vom Flughafen zu meiner Wohnung nahm nämlich auch nicht den kürzesten, was sich dann im Preis widerspiegelte).

Meli landete pünktlich und erschien als eine der ersten Passagiere am Ausgang. Wir nahmen eines der vielen Taxiangebote an und fuhren zuerst mal in die Wohnung. Nach einer kurzen Erholungspause ging‘s das erste Mal los in die Stadt. Wir machten das offizielle Sightseeing (Sukhbaatar Square, Ikh delguur, SDC Büro...) und gingen auf der Bank noch unsere Finanzen aufbessern. Als wir dann kurz darauf bei einem Parkplatz vorbeikamen, wurde ich von vorne von einem Mongolen angerempelt, ein zweiter drängte mich gegen ein Auto und als ich nach hinten ausweichen wollte, merkte ich wie ein dritter mein Portmonee aus meiner Tasche ziehen wollte. Glück gehabt, ich war schneller.

Zum Znacht kochten wir uns Minestrone mit viel Gemüse. Meli war müde und ging deshalb früh zu Bett. Mitten in der Nacht erwachte ich dann, von merkwürdigen Geräuschen. Meli hat wohl etwas schlechtes gegessen und musste sich die ganze Nacht übergeben. Die nächsten zwei Tage war also Genesung und Erholung angesagt.

Am Montag ging‘s weiter mit Sightseeing: Wir besuchten das Naturhistorische Museum. Neben einigen grossen Dinosaurierskeleten gab es viele Exponate die auch schon bessere Tage gesehen haben. Nebenbei war natürlich auch noch viel über die geologischen Begebenheiten der Mongolei zu erfahren.

Am Nachmittag stöberten wir auf dem Schwarzmarkt herum und kauften und billige NorthFace Jacken (natürlich billige Imitate aus China). Es gab unglaublich viel zu sehen, da kann man vom Hosenknopf bis zur Ger alles kaufen.

Meli mit Blick über UB vom Ehrendenkmal aus.
Am Dienstag erweiterten wir unsere Kenntnisse über den Buddhismus im Bogd Khan Museum. Das Museum ist in einen Winterpalast und Sommergebäude eingeteilt und die Mongolen versuchen wieder mal Profit aus den Touristen zu schlagen (Fotografieren war für MNT 15‘000 erlaubt!). Danach stiegen wir auf den Uetliberg von UB: das Ehrendenkmal für russische Soldaten. Von der Anhöhe aus genossen wir die wunderbare Aussicht über Ulaanbaatar und die dahinter liegenden Hügel.

Am Mittwoch wollten wir eigentlich auf unseren zweitägigen Ausritt, doch Rebekka machte uns den Vorschlag am Wochenende ein Buddhistisches Kloster im Norden zu besuchen und so verschoben wir unseren Ausritt. Wir hatten also weitere Zeit um die Stadt zu erforschen. Wir besuchten das Gandan Kloster. Im Gandan Kloster war grosse Putzaktion angesagt, da in diesen Tagen der Dalai Lama zu besuch kam. Es wimmelte von Mönchen und gläubigen Mongolen.
Mongolen beim Drehen der Gebetsmühlen.
Am Nachmittag war ein Besuch im National Historischen Museum auf dem Plan. Dieses Mal war ich etwas fiter als bei meinem ersten Besuch und wir lernten viel über die mongolische Geschichte und dass Tschingis Khan gar nicht so blutrünstig war, wie er oft dargestellt wird. Er gilt als guter Diplomat und Kriegsführer.
Am Abend gab‘s dann ein weiteres Highlight: wir gingen mit den anderen Schweizern in ein Koreanisches Restaurant. Die Karte war unglücklicherweise nur auf koreanisch und mongolisch und die Kellnerinnen konnten kein Wort Englisch. So bestellten wir auf gut Glück und stellten fest, dass die koreanische Küche nicht so unser Fall ist.

Am Donnerstagmorgen kauften wir für unsere zweitägige Wanderung ein und fuhren mit dem Taxi zum Ih Tenger (wir wussten nicht, dass diese Tal im Privatbesitz des Regierungschefs ist). Der Taxifahrer zeigte uns dann ein Schild: Prohibited Area. Wir entschieden uns dann halt für ein Tal weiter östlich und begannen mit dem Aufstieg entlang einer Krete, vorbei an den Prohibited Area Schildern. Beim Mittagsrast hatten wir dann den Ausblick auf die Gebäude des Regierungschefs. Plötzlich tauchte eine Kolonne schwarzer Wagen auf und wir konnten durch das Fernglas beobachten, wie einige Mönche ausstiegen, der höchste Gast in der Mongolei dieser Tage glaubten wir auch zu erkennen, obwohl es hiess, dass er nicht offiziell vom Staatschef empfangen werden könnte (China!).

Blick auf den sich vor uns liegenden Wanderweg.
Weiter ging‘s steil bergauf über Wiesen mit Edelweiss und anderen Blumen, durch Fichtenwälder und über Geröllhalden. Etwas unterhalb des Gipfels suchten wir uns eine flache, von Moos bedeckte Stelle um zu nächtigen.
Am nächsten Morgen, Meli hatte Blattern an den Füssen weiter bergauf und dann im übernächsten Tal wieder durch einen Wald bergab. Im Talgrund folgten wir dem Flüsschen und kamen schliesslich an den Tuul go, welchen es zu überqueren galt. Wir wollten eigentlich über die Zugbrücke gehen, doch diese wurde streng bewacht. Wir zogen also mal unsere Schuhe aus und durchquerten das erste seichte Gewässer. Drei mongolische Teenies winkten uns zu und erklärten uns mit Händen und Füsse und wenigen Brocken Englisch, dass sie uns durch den Fluss helfen werden. Wasserstand bis zur Hüfte. Wir zogen also unsere Hosen auch noch aus und wateten durch die Strömung. Die Jungs begleiteten uns bis zur Strasse und hielten für uns ein Taxi an.
Mit müden Füssen und nassen Unterhosen kamen wir zu Hause an. Es war ein unvergessliches Erlebnis.

17.08.2006

Bald Ferien


Das Kloster gleich neben meinem Wohnblock.
Sitzung - wieder mal ein neuer Freund

Vielleicht wundert ihr euch, wieso gleich zwei neue Blogeinträge vorhanden sind. Ich wollte den letzten Eintrag eigentlich anfangs Woche hochladen, aber im SDC ist das ganze Internet zusammengebrochen. Anfangs konnte ich noch etwas Mailen, doch ab Dienstag ging dann gar nichts mehr. Seit heute Morgen klappt das ganze aber wieder und ich habe sogar Zeit noch einen zweiten Eintrag zu schreiben.

Eine Baustelle: die Bauarbeiter (oft auch Frauen) arbeiten fast 24h und 7 Tage die Woche.
Zur Sitzung mit dem ehem. Umweltminister: Munkh wollte mit mir die Kritikpunkte am Montagmorgen anschauen und sie Minister-tauglich machen. Doch am Montag um 10.00 Uhr war keine Munkh da. Ich arbeitet weiter an meiner Datenbank und dachte, sie komme dann schon noch. Da sie bis zum Mittag nicht erschienen war, fragte ich mal an der Reception nach, doch auch dort wusste niemand was. Auf meine Bitte wurde sie dann angerufen und es stellte sich heraus, dass sie krank war. Ach so, in der Mongolei muss man sich im Krankheitsfall gar nicht abmelden!?!
Am Dienstag kam sie dann doch und wir besprachen meine Kritikpunkte kurz vor der Sitzung. Ich habe extra noch recherchiert, was in ein Environmental Impact Assessment (EIA) hinein kommt. Sie fand meine Kritikpunkte ganz gut (auch wenn sie auf meine Kritik zur Gestaltung und Gliederung des Textes nicht wirklich einging).
Dann kam der Herr Prof. (Ph.D) Adyasuren und brachte noch eine Professorin, die ebenfalls am EIA beteiligt war mit. Als erste bekam ich ihre Visitenkarten. Munkh machte eine lobenswerte Einleitung (gute und viele Messungen etc.) und dann durfte ich Kritik äussern. Mein Hauptkritikpunkt war, dass keine Alternativen beschrieben und bewertet wurden. Leider meinte Munkh dann sofort schützend, dass das nicht der Fehler der Autoren sei, sondern jener des Auftraggebers (das SDC ist nicht direkter Auftraggeber sondern eine Deutsche Firma) und diese wollen dann selber die Alternativen ausarbeiten. Gut dann gingen wir auf die nicht beschriebenen und für uns unlesbaren Grafiken ein und die etwas schwachen Schlussfolgerungen, die nichts Neues hergaben (ich meinte später zu Munkh, dass man diese Schlussfolgerungen auch vom Bürotisch aus machen kann). Die ganze Sitzung fand immer wieder auf Englisch und dann wieder auf Mongolisch statt, so dass Munkh zum Teil übersetzen musste. Es war dann gar nicht so schlimm und meine Sorgen am Anfang eher unbegründet. Jetzt müssen die Autoren den ganzen Text (80 Seiten, original Bericht über 400) noch auf 10 Seiten zusammenfassen. Vielleicht bekomme ich das dann wieder zum Lesen.

Klassischer Wohnblock, so richtig sowjetisch.
Gestern Abend ging ich mit Stefan auf ein Bier noch in eine Gartenbeiz. Es ist wieder etwas wärmer geworden und man kann am Abend in einem Pullover gut noch draussen sitzen. Als wir uns eigentlich schon auf den Heimweg machen wollten, hörten wir von einem nahen Pub Konzertmusik und wir entschlossen uns mal schnell vorbei zu schauen. Zwei Mongolen boten uns die andere Hälfte ihres Tisches an und wir kamen etwas ins Gespräch (der eine fragte mich, ob ich koreanisch könne, der andere konnte etwas Englisch). Sie studieren beide Sport, Wrestling. Als wir dann gehen wollten, schlugen sie vor uns nach Hause zu fahren. Wir sassen also kurz darauf in einem schicken Wagen und merkten, dass die beiden wohl beide aus etwas besserem Hause stammen. Sie fuhren uns heim und wir tauschten dann noch unsere Nummern aus. Mal schauen, vielleicht verlangen sie dann auch plötzlich noch 10 $ ;-)

Morgen kommt Melanie und ich freu mich auf die Ferien, die wir hier zusammen verbringen können. Wir planen einen 10 Tage dauernden Trip, zusammen mit den anderen Schweizer Praktikanten (so ab 5 Personen wird es auch für einen Studenten bezahlbar), in die Wüste Gobi und das Zentral Aimak. Ihr werdet von unseren Erlebnissen bald was lesen können.

14.08.2006

Ohne Kompass keine Chance


Aussicht in die Steppe nach Süden.
Abwechslung im Büro - Wanderung - kein Warmwasser / Strom

In der letzten Woche durfte ich endlich mal was anderes machen, als nur im Internet zu recherchieren. Munkh gab mir das Proposal (Projektentwurf) zur Bekämpfung der Desertifikation, um es zu lesen. Dann gab es eine Sitzung zusammen noch mit einem Deutschen, der ebenfalls das Proposal gelesen hatte. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was in so ein Proposal gehört und konnte mich an der Sitzung eigentlich gar nicht einbringen. Am Schluss wurde ich dann halt doch noch gefragt und ich versuchte zu erklären, dass ich nicht wirklich vertraut mit Porposals sei, aber ich denke, es sei ganz in Ordnung.
Dann gab sie mir den Auftrag Terms of Reference für die nächsten Praktikanten zu schreiben - „Write something about reforestation and watermanagement!“ Was will sie genau? Soll ich mir einfach was aus den Fingern saugen? Ich weiss doch nicht, was diese Studenten dann hier für Möglichkeiten haben werden? Ich fragte also etliche Male nach, aber schlussendlich war sie ganz zu frieden.
Als nächstes gab sie mir ein „Environmental Impact Assessment of the Artisanal Mining in Bumbugur and Shinejinst Soum“. Ich solle das mal lesen, mit den Terms of Reference vergleichen und ihr sagen, was ich davon halte. Nun ja, erstens habe ich nur eine Zusammenfassung, die aus dem Mongolischen übersetzt wurde, bekommen und da wurde wohl etwas Geld gespart. Zum Beispiel gibt es in dem Text eine Einheit „sm“ - wahrscheinlich cm - oder mkg. Tja und auch sonst tauchen da Wörter, auf die ich in keinem Englisch Dic gefunden habe. Auch haben die Verfasser des Berichts nicht viel von Titeln und einer Textstruktur gehalten, so dass das Lesen recht mühsam ist. Plötzlich erklären sie, wie das Gold mit Quecksilber herausgelöst wird und dann kommt wieder etwas völlig anderes. Rebekka (eine Mitstudentin, die ihr Praktikum auch hier in der Mongolei macht und zwar genau auf diesem Gebiet) musste den Text auch lesen und so konnte ich den Text mit ihr diskutieren. Auch sie war der Meinung, dass die Autoren einfach Daten präsentieren, diese aber weder interpretieren noch ein Schlussfolgerung daraus ziehen, geschweige denn irgendwelche Vorschläge machen, was nun gegen die Desertifikation unternommen werden könnte. Nur ist sie nun auf dem Land und ich darf das Feedback alleine machen und erst noch an den Verantwortlichen des ganzen Projekts. Da graut mir also schon etwas davor. Der Typ war mal „Minister of Environment“ in der Mongolei und jetzt darf ich als kleiner Student ihm sagen, dass der Bericht nichts hergibt!?!


Das kleine Museum. In diesem Topf sollen die Munks an einem Fest 10 Ziegen miteinander gegoren haben.
Nun aber noch zum Wochenende. Stefan schlug uns eine Wanderung aus seinem Reiseführer vor und wir (Rebekka, Stefan und ich) trafen uns am Samstagmittag vor dem Ikh Delguur (grosses Einkaufszentrum). Wir brauchten ein Taxi um aus der Stadt herauszukommen und schnappten uns mal den erst besten Fahrer. Mit Händen und Füssen handelten wir den Preis von 40‘000 Tg auf 26‘000 Tg hinunter für die zwei Stunden dauernde Fahrt.
Wir fuhren also zur Mandzushir Khiid Monastery, was nicht ohne zweimaliges Fragen inklusive einer Viertelstunde in die falsche Richtung fahren, möglich war. Das Klostergebiet wurde durch einen Zaun mit einem grossen Tor abgegrenzt und wir mussten 5‘000 Tg Eintritt bezahlen (2‘000 für ein mickriges Museum in dem einige ausgestopfte Tiere zu sehen waren). Auf dem Parkplatz vor dem Kloster, von dem es nur einen wiederaufgebauten Teil gibt (die Kommunisten haben das Kloster geschliffen), wollte der Fahrer dann plötzlich 5‘000 Tg mehr (entweder für den Umweg oder weil er behauptete er müsse auch 50’00 Tg bezahlen - fauler Trick) und wollte uns den Kofferraum nicht mehr öffnen. Stefan öffnete dann einfach und wir liefen mit unserem Gepäck davon. Ich war mir schon nicht ganz sicher, ob wir nun genug bezahlt hatten oder nicht, aber wir haben den Preis ja im Vornherein abgesprochen.
Der Bach, ab wann verschwindet ein Bach ab und zu?
Nach einem kurzen Picknick und der Besichtigung des wiederaufgebauten Klosterteils, machten wir uns auf den Weg. Laut Reiseführer soll man einem Bach folgen, bis er fast verschwindet. Einen Weg gab es nicht wirklich und so mussten wir uns den Weg über Stock und Stein selber suchen. Ganz idyllisch ging es durch einen Tannenwald, vorbei an verschiedensten Pilzen und Abfallhaufen (die Mongolen lassen auch hier im Nationalpark alles einfach liegen). Der Bach verschwand immer wieder unter Steinen und der Reiseführer gebot uns nun Richtung Norden zu gehen. Aber wo ist Norden? Wir hatten zwar eine Karte (1:100000) aber auf dieser war weder unser Bach noch irgendwelche Wälder oder ähnliches eingezeichnet. Also einfach nach Gefühl.
Edelweiss.
Es wurde steiler und steiler und die Mücken immer aggressiver, so dass wir bei einem Zwischenhalt auf einer Geröllhalde uns zuerst einmal mit Mückenspray einsprühten, bevor wir die nun herrliche Aussicht geniessen konnten. Im Süden (oder was zumindest für uns im Süden war) sahen wir die unendliche Steppe und irgendwann dann wieder Berge.
Um dann ganz auf den Gipfel zu gelangen war noch etwas Klettern angesagt, dafür konnten wir nun noch in die andere Richtung ins Weite schauen. Wir versuchten uns anhand der umliegenden Gipfel und der Karte zu orientieren. Laut Reiseführer hätten wir den Gipfel über eine Wiese erreichen sollen, doch wir glaubten unseren Kartelesefähigkeiten und entschieden uns noch den höchsten Gipfel zu erklimmen, um dann auf der sich vor uns erstreckenden Wiese zu übernachten. Im Führer stand, dass man vom höchsten Gipfel UB sehen könne, doch irgendwie sahen wir nichts und uns kam auch (noch) nicht in den Sinn, dass wir evt. ganz falsch liegen mit unserer Karte. Auf jede Fall entpuppte sich die Wiese dann eher als Moor und wir suchten lange zwischen den Bäumen, um eine einigermassen flache, nicht von Steinen übersäte Stelle zu finden.


Unser Zelt. Am Morgen war es sehr kühl und feucht, doch wir waren bald froh, dass wir im Schatten der Bäume wandern konnten.
In der Nacht wurde es empfindlich kalt, doch mein Schlafsack bescherte mir im Gegensatz zu den anderen eine erholsame Nacht. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg. Es ging bergab und bald stiessen wir wieder auf einen Bach, der auch auf unserer Karte zu finden war und wir folgten ihm. Es ging wieder durch Tannenwald so, dass wir der nun doch wieder brühenden Hitze etwas entfliehen konnten. Irgendwann merkten wir dann, dass die Sonne direkt vor uns war anstatt in unserem Rücken (UB liegt im Norden vom Kloster) und wir ahnten langsam aber sicher, dass wir irgendwo anders rauskommen werden. Als sich der Wald öffnete, traten wir auf eine von Blumen übersäte Wiese mit riesigen Heuschrecken, wie in den Schweizer Alpen... Fast, denn jede zweite Blume war ein Edelweiss. Immer wieder kamen uns Mongolen entgegen, die sich versuchten mit uns etwas zu verständigen, aber mehr als Hallo brachten wir nie zustande.
Wir kamen an einer verlassenen Fabrik vorbei, einfach so mitten in einem Tal und natürlich auch nicht auf unserer Karte eingezeichnet. So gelangten wir schlussendlich nach Honor. Ein kleines Dorf ca. 20 km ausserhalb von Ulaanbaatar und hofften, weil dieses Dorf an der Transib-Linie liegt auf einen Zug. Am Bahnhof erklärte uns dann aber ein netter Herr, nach dem er etwa fünf Minuten unsere Karte angeschaut hatte und uns sagte, wo UB liegt, dass wir an der Strasse den „awtbus“ nehmen sollen.


Der Bahnhof von Honhor.
Wir fanden tatsächlich ein Wartehäuschen, natürlich ohne Fahrplan, aber immerhin warteten dort einige Leute. Der erste Bus fuhr einfach vorbei, dann hielt ein völlig überfüllter Toyotabus und zwei der wartenden Frauen drängten sich hinein. Mit unseren Rucksäcken keine Chance. Als dann nach weiteren 30 Minuten ein Taxi hielt, verhandelte Rebekka einen Preis von 250 Tg pro km (das ist der normale Taxiansatz). Der Fahrer versuchte sich mit uns zu unterhalten und immer wenn ein neues Lied im Radio kam, sagte er die Gruppe: „Beatles, Scorpions, etc“ und versuchte dann mitzusingen. Wir zählten die Täler bis zu jenem in dem wir eigentlich hätten herunter steigen sollen (sieben z.T. aber recht kleine Täler zu weit im Osten).

Mitten auf einer Wiese in Honhor.
Nach diesem Abenteuer hoffte ich natürlich auf eine warme Dusche, aber nichts war. Ich hatte schon seit Mittwoch kein warmes Wasser mehr und musste jedes mal vor dem Duschen heisses Wasser kochen (das kalte Wasser ist wirklich viel zu kalt hier) und stellte mich dann mit einer Pfanne in die Badewanne.
Auch der Strom hat hier so seine Tücken. Als ich an einem dieser Morgen mein Wasserkocher einschalten wollte, ging nichts mehr. Auch der Kühlschrank lief nicht mehr. Zum Glück war nur die Hälfte meiner Steckdosen ausser Betrieb.
Während ich nun diesen Blog schreibe, kam der Vater meiner Vermieterin mit einem Monteur, bzw. er kam zuerst und versuchte sich mit mir auf Russisch zu unterhalten. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es wohl an der Sicherung läge und führte ihm das Lämpchen am Wasserkocher vor. Plötzlich sprang es wieder an. Der Monteur läutete erst nach getaner Arbeit an der Türe und kontrollierte dann noch alle Steckdosen und so weiss ich für ein anderes Mal wieder nicht, wo der Sicherungskasten ist.

08.08.2006

Im Galopp durch die Steppe


Neuer Freund - Erster Ausritt - Airag

Am Donnerstagabend machte ich es mir in einem Strassencafé gemütlich und wollte eigentlich mein Tagebuch auf den neusten Stand bringen, als mich ein Mongole vom Nebentisch ansprach, ob er sich zu mir setzen könne. Ich war ganz erstaunt, denn bis jetzt habe ich die Mongolen nicht als all zu kontaktfreudig erlebt. Er konnte etwas Englisch und erklärte mir, dass er ein Security- Reiseunternehmen hätte und ich ihm doch meine Mobilenummer geben solle, damit er mich anrufen und ich mit ihm auf einen Trip gehe könne. Ich verschwieg, dass ich ein Mobile besitze und erklärte ihm, dass ich auch zu Hause kein Telefon hätte (ich bekomme schon genug Anrufe, die ich nicht verstehe...). Er gab mir dann seine Nummer mit der Aufforderung ihn Morgen anzurufen. Also erklärte ich ihm, dass ich hier arbeite und keine Zeit für einen Trip hätte. Plötzlich meinte er: „Ok, give me ten dollars!“ - „Why?“ - „Because your my friend.“ - Achso bekommt man hier Freunde. Ich erklärte ihm, dass ich keine Dollars hätte und prompt wollte er Euros. „Switzerland no euros!“ - Na gut, dann gib mit halt Swiss Francs. Ist ja logisch! Schlussendlich wollte er, dass ich ihm 5000 Tg gebe, damit er mit seinen Kollegen das Getränk bezahlen könne. Nichts da! Zum Schluss meinte er dann: „Hehe, I do Jokk!“ - Hä? Ach so, he‘s joking. Alles klar. Dann verzog er sich endlich. Ist er nun mein Freund oder nicht?

Das Stepperiders-Camp.
Unsere Ger: die Betten waren etwas schmal und hart.
Aussicht von einem Hügel. Die Pferde wollten nicht mehr runter, so dass wir sie führen mussten.
Am Samstag traf ich mich dann mit meinen zwei Mitpraktikanten um 18.00 Uhr in einem Pub beim Sukhbaatar Square. Wir wurden dann mit etwas Verspätung vom Fahrer von Stepperiders abgeholt und fuhren ca. 2.5 h (= 50 km) aus Ulaanbaatar hinaus. Durch die hüglige grüne Landschaft, vorbei an Ziegen- und Schafherden, über holprige Strassen, vorbei an Gers und freilaufenden Pferdeherden und einem einsamen Kamel gings in rasanter Fahrt zum Camp von Jenny (eine Engländerin, die zusammen mit einem mongolischen Businesspartner, Übernachtungen in Gers und Ausritte anbietet). Wir wurden gleich zu einem mongolischen Abendessen eingeladen. Nach dem Abendessen schauten wir uns in der endlosen Steppe um, spazierten auf eine Anhöhe hinauf, um noch weiter zu sehen. Unglaublich wie weit es da geht. Wir beobachteten wie sich langsam ein Gewitter zusammen braute und über den nahen Bergen begann es zu Blitzen. Wunderschön, doch viel zu schnell um zu fotografieren.
Am nächsten Morgen nach einem stärkenden Morgenessen (nach Brot, Confi und Sutezä (=Tee mit Milch), gabs dann zum zweiten Gang noch Milchreis und unsere Pferde wurden von einem Nachbar (ca. 30 Min) geholt und gesattelt. Ich hatte die Ehre einen harten mongolischen Sattel auf meinem Pferd zu haben, zum Glück mit einem Kissen drauf. Mongolische Pferde werden immer von links aufgesessen und einhändig geritten (wie soll man sonst auch noch ein Schwert schwingen gescheige den in getrecktem Galopp eine Pfeil abfeuern können). Mit „Tshuu“ sollte es losgehen, aber Jenny erklärte mir sofort, dass bei meinem Pferd einen heftigen Kick dazukommen muss, damit es sich in Bewegung setzt. Wie fest darf man so ein Pferd treten, bevor man in hohem Bogen davon fliegt?
Da sich am Anfang die Herde, aus der sich unsere Tiere befanden, in der Nähe war, wollten sie immer wieder nach rechts abbiegen und wir mussten sie andauernd nach links korrigieren. Wir ritten in einem grossen Bogen um das Camp herum.
Galoppieren durften wir anfangs nicht, weil das Gelände zu gefährlich war (nicht für uns sondern für die Pferde; es hatte überall Mäuselöcher und die Pferde brachen ab und zu etwas ein). Wir durften also nur etwas schneller traben (Pferdefans bitte melden, falls ich da mit den Gangarten etwas ein Chaos mache). Auf einer Strasse (einer etwas festgefahrener Piste ohne Autos) kamen wir dann trotzdem noch in den Genuss eines Galopps. Wir flogen stehen in unserem Sattel (die Mongolen stehen immer) durch die Steppe...
Nach 3h Ausritt waren wir dann doch froh endlich wieder zurück zu sein. Am meisten schmerzten mich meine Knie, mein Gesäss hat den ersten Ritt erstaunlich gut überstanden. Nach einem weiteren mongolischen Abendessen ging es dann zurück nach UB.

Übrigens das einzige was mich bis jetzt noch schmerzt, ist mein Rücken, da wurden wohl irgendwelche Muskel aktiviert die sonst ruhen.

Noch was für den Jööö-Effekt.
Am Montagabend wurde ich und meine zwei Mitpraktikanten vom Gastvater (Jaggi) von Sara (ja es wimmelt hier nur so von Schweizern, die hier ein Praktikum machen) zu Airag eingeladen. Airag ist gegorene Stutenmilch (keine Angst für das Fohlen bleibt noch genug übrig). Der Hauptgrund des Besuchs war die Planung des Trips den ich mit Meli machen werde. Jaggi ist Reiseführer und spricht ein lustiges Deutsch. Wir wurden herzlich empfangen und hatten sofort eine Tasse mit Airag in der Hand. Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch, denn laut Reiseführer, soll Airag auch bei hartgesottenen Mongolen stark abführend wirke. Wir nippten etwas an unseren Tassen. Es schmeckt ähnlich wie Hefe mit einem säuerlichen Abgang, aber war eigentlich ganz gut. Nach der zweiten Tasse kamen wir dann auf die Trip-Planung. Zuerst hatte Jaggi gesagt, er habe keine Zeit, aber er könne uns einen guten Fahrer organisieren, aber das Problem sei die Verständigung. Schliesslich kam aus, dass er doch 10 Tage Zeit hätte und bot mir kurzerhand eine Luxustrip für 150 USD pro Tag an. Luxus heisst: einen Fahrer, ein Guide, ein Koch, eine Wanderger um darin zu übernachten, ein russischer klappriger Bus und eine Beuteldusche. Ich solle ihm am folgenden Tag Bescheid geben, ob das ok sei.

Ich habe ihm dann natürlich abgesagt und so wies aussieht, werden Meli und ich zusammen mit noch ein paar anderen Schweizer Praktikanten einen Trip für 32USD pro Person und Tag in die Wüste Gobi inkl. Kamelritt unternehmen. Aber dazu später. By the way, wir alle drei hatten nicht die geringsten WC-Probleme in der Nacht oder dem darauf folgenden Tag.

Ach ja noch eine Erklärung zum Foto: Mehr Fett als Fleisch. In einem Restaurant, in welchem wir anhand von Bildchen unser Essen ausgesucht hatten, bekam Andi wohl das beste ab. Sein Teller bestand aus drei gerösteten Apfelscheibchen und einem Stückfleisch (Rücken) mit Knochen, aber auf mongolische Art, d.h. zwei Zentimeter Fleisch umrandet von mind. zwei Zentimeter Fett. En Guete!
Er kämpfte sich tapfer durch die Hälfte des Fettrandes, aber selbst der Kellner musste beim Servieren etwas schmunzeln und in Folge Kommunikationsprobleme wissen wir immer noch nicht, ob man das Fett nicht doch lieber auf dem Teller zurückgelassen hätte.

02.08.2006

Mongolische Begegnungen


Auf einen meiner Streifzügen fand ich sogar das Pendant zur ETH. Mongolian University of Science and Technology.
Ausgang - Schwarzmarkt - Oper - Scorpions - Packetpost

Von der Arbeit gibt es nichts Neues. Ich bin in der Zwischenzeit wohl Spezialist über jegliche Methoden um Desertifikation zu bekämpfen, aber so was richtig bahnbrechendes für die Mongolei habe ich noch nicht gefunden, weshalb ich richtig froh war, dass endlich Freitag war.

Lenin: wie Mongolen trauern der sowjetischen Ära nach: alle hatten einen Job, genügend zu Essen, das Schulsystem war perfekt (Analphabetenrate 1%, heute ca. 15%) etc. Die Mongolei war anscheinend das Vorzeigeland der Kommunisten und wurde finanziell dementsprechend unterstützt.
Nach der Arbeit zogen Andi und ich mit einigen Angestellten des SDCs los in den „Ich Mongol“ (grosser Mongole). Ein mehr oder weniger edleres Restaurant, wo wir uns die Bäuche mit Würsten und mongolischem Bier (in der Mongolei gibt es zwei Brauereien, eine Deutsche und ein Schweizerische) voll. Als es dann langsam eindunkelte und es kühler wurde gingen wir alle zusammen ins Orange, ein Disco in der Nähe des Sukhbaatar Squares. Eintritt Gratis, teuerstes Getränk 4400 Tugrik (= CHF 4.80). Wir schwangen das Tanzbein und beobachteten die mongolischen Jugendlichen. Um zwei Uhr ging dann die Musik aus und es wurde uns gesagt, wir sollen schnell gehen, da sonst die Polizei kommen werde.

Am Samstag war dann Ausschlafen und Waschen angesagt. Das Waschen ist eine rechte Tortur:
  1. muss ich die Waschmaschine in die Badewanne stellen, da der Druck zum Wasserablassen zu gering ist und das Wasser sonst nicht über den Wannenrand kommt.
  2. bin ich für die Wassertemperatur und Menge selber verantwortlich, dh. ich halte die Brause rein und fülle mal nach Gutdünken Wasser rein.
  3. Wasser ablassen und zum Spülen wieder neues rein, das geht dann so lange bis kein Schaum mehr da ist.
  4. Umschalten auf Dehydrieren.
  5. Wäsche in den Spinner füllen und 5 Min. schleudern.
Ich freu mich jetzt schon wieder auf die vollautomatische Waschmaschine zu Hause!

Am Sonntag ging ich dann mit Andi auf den Schwarzmarkt. Eintritt 50 Tugrik. Wir wurden von allen Seiten gewarnt, es sei ein grosse Gedränge und wir sollen ja auf unser Geld aufpassen, die Taschendiebe schlitzen einem einfach die Jacke auf und weg ist das Geld. Aber es kam ganz anders. Von Gedränge keine grosse Spur, ab und zu wurde man mal geschubst und unsere Kleider sind ganz geblieben. Auf dem Markt bekommt man alles. Von Autoreifen, über Jeans (3500 Tugrik), NorthFace Jacken (20 000 Tugrik) bis Zündhölzer in allen Grössen. Ich werde also sicher nicht erfrieren und wenn ich mir 3 NorthFace Windjacken leisten muss. Die Qualität sei schon nicht immer erste Klasse, aber für 20 Fr. kann man sich ja nicht beklagen.

Am späteren Abend besuchten wir dann ein mongolische Ballet „Amond hills of sorrow“. Leider kam die Musik aus der Dose und das Programm war nur in Mongolisch erhältlich, obwohl nur einige Touris die Aufführung besuchten. Es ging um irgend ein Liebespaar in den Bergen und ein eifersüchtige Frau, die dann dem böse Herrscher die Geliebte anbot. Sie wurde entführt. Interessanterweise kam nun nicht der Held und befreite sie, sondern sie schlich sich mit Hilfe eines alten Wächters davon. Wieder zurück bei ihrem Geliebten kam es dann zum letzten Kampf zwischen dem Herrscher, der sie natürlich nicht einfach ziehen liess, und ihrem Freund. Die eifersüchtige Frau ersticht dann den Herrscher. Die Geliebte wird aber wieder verschleppt und der Freund im Boden verbuddelt. Als dann die Geliebte wieder zurückkommt, ist er tot und sie bringt sich um. So ein Romeo und Julia Schluss auf Mongolisch.

Am Scorpions Konzert.
Am Montag gabs dann die grosse Überraschung. Auf dem Sukhbaatar Square wurde seit Tagen eine riesen Bühne aufgebaut, aber niemand konnte uns sagen, für was diese gebraucht wird. Gerücht folgte auf Gerücht: Traditionelle Modeshow, Mongolische Bands bis Scorpions, die dann auch wirklich zur 800 Jahr Mongolisches Grossreich Feier am Abend ein 2-stündiges Konzert zum besten gaben. Der Platz war gerammelt voll, es war schliesslich gratis. Die Mongolen sind schon etwas eigenartig, wir haben nicht heraus gefunden, ob sie nun Spass hatten oder nicht, aber das Publikum reichte auch vom Hiphopper bis zum obdachlosen Hirten. Mit Mitsingen war nicht viel zu wollen, wahrscheinlich verstanden einfach zu wenig Englisch und auch als die Band zum ersten Mal die Bühne verliess, verstummte der Applaus nach kurzer Zeit. Wir versuchten dann den Mongolen Zugabe beizubringen, was aber nur gerade jene in der Nähe um uns herum überzeugen konnte. Die Scorpions kamen trotzdem wieder inkl. Feuerwerk. Nach der dritten Zugabe liessen sie dann noch einen mongolischen Obertonsänger auftreten, was ganz eigenartig klang (zuerst leise Gemurmmel aus tiefem Hals und dann ganz eigenartige Obertöne dazu, schwer das in Worte zu fassen).

Mein Block, ich wohne im zweiten Stock links. Lasst euch nicht von der Hausnummer beirren, in diesem Gebiet gibt es mehrere mit der Nummer 1.
Der erste August war dann, für alle die in der Botschaft arbeiten, natürlich frei und alle in der Mongolei arbeitenden Schweizer wurden zu einem Schweizer Nachtessen (Spätzli mit Bratwurst) eingeladen. Im Gegensatz zur Schweiz konnten wir hier ein Feuerwerk geniessen.

By-ar-tai (tschüss) euer Raphi.

PS: für alle die mir angeboten haben mir mal Vitaminen in Form von Karotten oder so zu schicken: das Zustellen von Briefen bzw. Packen ist hier nicht üblich. Strassen Namen und Hausnummern wie wir sie in der Schweiz kennen gibt es hier nicht. Ich wohne einfach im südlichen Block im 11 Microdistrict neben dem Internetcafe (der Taxifahrer weiss genau, wo das ist). Bis jetzt ist das Gemüseangebot noch ganz ok und mein Schoggi-Vorrat reicht auch noch aus, aber danke fürs Angebot.