In der letzten Woche durfte ich endlich mal was anderes machen, als nur im Internet zu recherchieren. Munkh gab mir das Proposal (Projektentwurf) zur Bekämpfung der Desertifikation, um es zu lesen. Dann gab es eine Sitzung zusammen noch mit einem Deutschen, der ebenfalls das Proposal gelesen hatte. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was in so ein Proposal gehört und konnte mich an der Sitzung eigentlich gar nicht einbringen. Am Schluss wurde ich dann halt doch noch gefragt und ich versuchte zu erklären, dass ich nicht wirklich vertraut mit Porposals sei, aber ich denke, es sei ganz in Ordnung.
Dann gab sie mir den Auftrag Terms of Reference für die nächsten Praktikanten zu schreiben - „Write something about reforestation and watermanagement!“ Was will sie genau? Soll ich mir einfach was aus den Fingern saugen? Ich weiss doch nicht, was diese Studenten dann hier für Möglichkeiten haben werden? Ich fragte also etliche Male nach, aber schlussendlich war sie ganz zu frieden.
Als nächstes gab sie mir ein „Environmental Impact Assessment of the Artisanal Mining in Bumbugur and Shinejinst Soum“. Ich solle das mal lesen, mit den Terms of Reference vergleichen und ihr sagen, was ich davon halte. Nun ja, erstens habe ich nur eine Zusammenfassung, die aus dem Mongolischen übersetzt wurde, bekommen und da wurde wohl etwas Geld gespart. Zum Beispiel gibt es in dem Text eine Einheit „sm“ - wahrscheinlich cm - oder mkg. Tja und auch sonst tauchen da Wörter, auf die ich in keinem Englisch Dic gefunden habe. Auch haben die Verfasser des Berichts nicht viel von Titeln und einer Textstruktur gehalten, so dass das Lesen recht mühsam ist. Plötzlich erklären sie, wie das Gold mit Quecksilber herausgelöst wird und dann kommt wieder etwas völlig anderes. Rebekka (eine Mitstudentin, die ihr Praktikum auch hier in der Mongolei macht und zwar genau auf diesem Gebiet) musste den Text auch lesen und so konnte ich den Text mit ihr diskutieren. Auch sie war der Meinung, dass die Autoren einfach Daten präsentieren, diese aber weder interpretieren noch ein Schlussfolgerung daraus ziehen, geschweige denn irgendwelche Vorschläge machen, was nun gegen die Desertifikation unternommen werden könnte. Nur ist sie nun auf dem Land und ich darf das Feedback alleine machen und erst noch an den Verantwortlichen des ganzen Projekts. Da graut mir also schon etwas davor. Der Typ war mal „Minister of Environment“ in der Mongolei und jetzt darf ich als kleiner Student ihm sagen, dass der Bericht nichts hergibt!?!

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| Das kleine Museum. In diesem Topf sollen die Munks an einem Fest 10 Ziegen miteinander gegoren haben. |
Nun aber noch zum Wochenende. Stefan schlug uns eine Wanderung aus seinem Reiseführer vor und wir (Rebekka, Stefan und ich) trafen uns am Samstagmittag vor dem Ikh Delguur (grosses Einkaufszentrum). Wir brauchten ein Taxi um aus der Stadt herauszukommen und schnappten uns mal den erst besten Fahrer. Mit Händen und Füssen handelten wir den Preis von 40‘000 Tg auf 26‘000 Tg hinunter für die zwei Stunden dauernde Fahrt.
Wir fuhren also zur Mandzushir Khiid Monastery, was nicht ohne zweimaliges Fragen inklusive einer Viertelstunde in die falsche Richtung fahren, möglich war. Das Klostergebiet wurde durch einen Zaun mit einem grossen Tor abgegrenzt und wir mussten 5‘000 Tg Eintritt bezahlen (2‘000 für ein mickriges Museum in dem einige ausgestopfte Tiere zu sehen waren). Auf dem Parkplatz vor dem Kloster, von dem es nur einen wiederaufgebauten Teil gibt (die Kommunisten haben das Kloster geschliffen), wollte der Fahrer dann plötzlich 5‘000 Tg mehr (entweder für den Umweg oder weil er behauptete er müsse auch 50’00 Tg bezahlen - fauler Trick) und wollte uns den Kofferraum nicht mehr öffnen. Stefan öffnete dann einfach und wir liefen mit unserem Gepäck davon. Ich war mir schon nicht ganz sicher, ob wir nun genug bezahlt hatten oder nicht, aber wir haben den Preis ja im Vornherein abgesprochen.
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| Der Bach, ab wann verschwindet ein Bach ab und zu? |
Nach einem kurzen Picknick und der Besichtigung des wiederaufgebauten Klosterteils, machten wir uns auf den Weg. Laut Reiseführer soll man einem Bach folgen, bis er fast verschwindet. Einen Weg gab es nicht wirklich und so mussten wir uns den Weg über Stock und Stein selber suchen. Ganz idyllisch ging es durch einen Tannenwald, vorbei an verschiedensten Pilzen und Abfallhaufen (die Mongolen lassen auch hier im Nationalpark alles einfach liegen). Der Bach verschwand immer wieder unter Steinen und der Reiseführer gebot uns nun Richtung Norden zu gehen. Aber wo ist Norden? Wir hatten zwar eine Karte (1:100000) aber auf dieser war weder unser Bach noch irgendwelche Wälder oder ähnliches eingezeichnet. Also einfach nach Gefühl.
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| Edelweiss. |
Es wurde steiler und steiler und die Mücken immer aggressiver, so dass wir bei einem Zwischenhalt auf einer Geröllhalde uns zuerst einmal mit Mückenspray einsprühten, bevor wir die nun herrliche Aussicht geniessen konnten. Im Süden (oder was zumindest für uns im Süden war) sahen wir die unendliche Steppe und irgendwann dann wieder Berge.
Um dann ganz auf den Gipfel zu gelangen war noch etwas Klettern angesagt, dafür konnten wir nun noch in die andere Richtung ins Weite schauen. Wir versuchten uns anhand der umliegenden Gipfel und der Karte zu orientieren. Laut Reiseführer hätten wir den Gipfel über eine Wiese erreichen sollen, doch wir glaubten unseren Kartelesefähigkeiten und entschieden uns noch den höchsten Gipfel zu erklimmen, um dann auf der sich vor uns erstreckenden Wiese zu übernachten. Im Führer stand, dass man vom höchsten Gipfel UB sehen könne, doch irgendwie sahen wir nichts und uns kam auch (noch) nicht in den Sinn, dass wir evt. ganz falsch liegen mit unserer Karte. Auf jede Fall entpuppte sich die Wiese dann eher als Moor und wir suchten lange zwischen den Bäumen, um eine einigermassen flache, nicht von Steinen übersäte Stelle zu finden.

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| Unser Zelt. Am Morgen war es sehr kühl und feucht, doch wir waren bald froh, dass wir im Schatten der Bäume wandern konnten. |
In der Nacht wurde es empfindlich kalt, doch mein Schlafsack bescherte mir im Gegensatz zu den anderen eine erholsame Nacht. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg. Es ging bergab und bald stiessen wir wieder auf einen Bach, der auch auf unserer Karte zu finden war und wir folgten ihm. Es ging wieder durch Tannenwald so, dass wir der nun doch wieder brühenden Hitze etwas entfliehen konnten. Irgendwann merkten wir dann, dass die Sonne direkt vor uns war anstatt in unserem Rücken (UB liegt im Norden vom Kloster) und wir ahnten langsam aber sicher, dass wir irgendwo anders rauskommen werden. Als sich der Wald öffnete, traten wir auf eine von Blumen übersäte Wiese mit riesigen Heuschrecken, wie in den Schweizer Alpen... Fast, denn jede zweite Blume war ein Edelweiss. Immer wieder kamen uns Mongolen entgegen, die sich versuchten mit uns etwas zu verständigen, aber mehr als Hallo brachten wir nie zustande.
Wir kamen an einer verlassenen Fabrik vorbei, einfach so mitten in einem Tal und natürlich auch nicht auf unserer Karte eingezeichnet. So gelangten wir schlussendlich nach Honor. Ein kleines Dorf ca. 20 km ausserhalb von Ulaanbaatar und hofften, weil dieses Dorf an der Transib-Linie liegt auf einen Zug. Am Bahnhof erklärte uns dann aber ein netter Herr, nach dem er etwa fünf Minuten unsere Karte angeschaut hatte und uns sagte, wo UB liegt, dass wir an der Strasse den „awtbus“ nehmen sollen.

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| Der Bahnhof von Honhor. |
Wir fanden tatsächlich ein Wartehäuschen, natürlich ohne Fahrplan, aber immerhin warteten dort einige Leute. Der erste Bus fuhr einfach vorbei, dann hielt ein völlig überfüllter Toyotabus und zwei der wartenden Frauen drängten sich hinein. Mit unseren Rucksäcken keine Chance. Als dann nach weiteren 30 Minuten ein Taxi hielt, verhandelte Rebekka einen Preis von 250 Tg pro km (das ist der normale Taxiansatz). Der Fahrer versuchte sich mit uns zu unterhalten und immer wenn ein neues Lied im Radio kam, sagte er die Gruppe: „Beatles, Scorpions, etc“ und versuchte dann mitzusingen. Wir zählten die Täler bis zu jenem in dem wir eigentlich hätten herunter steigen sollen (sieben z.T. aber recht kleine Täler zu weit im Osten).
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| Mitten auf einer Wiese in Honhor. |
Nach diesem Abenteuer hoffte ich natürlich auf eine warme Dusche, aber nichts war. Ich hatte schon seit Mittwoch kein warmes Wasser mehr und musste jedes mal vor dem Duschen heisses Wasser kochen (das kalte Wasser ist wirklich viel zu kalt hier) und stellte mich dann mit einer Pfanne in die Badewanne.
Auch der Strom hat hier so seine Tücken. Als ich an einem dieser Morgen mein Wasserkocher einschalten wollte, ging nichts mehr. Auch der Kühlschrank lief nicht mehr. Zum Glück war nur die Hälfte meiner Steckdosen ausser Betrieb.
Während ich nun diesen Blog schreibe, kam der Vater meiner Vermieterin mit einem Monteur, bzw. er kam zuerst und versuchte sich mit mir auf Russisch zu unterhalten. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es wohl an der Sicherung läge und führte ihm das Lämpchen am Wasserkocher vor. Plötzlich sprang es wieder an. Der Monteur läutete erst nach getaner Arbeit an der Türe und kontrollierte dann noch alle Steckdosen und so weiss ich für ein anderes Mal wieder nicht, wo der Sicherungskasten ist.