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Am Donnerstagabend machte ich es mir in einem Strassencafé gemütlich und wollte eigentlich mein Tagebuch auf den neusten Stand bringen, als mich ein Mongole vom Nebentisch ansprach, ob er sich zu mir setzen könne. Ich war ganz erstaunt, denn bis jetzt habe ich die Mongolen nicht als all zu kontaktfreudig erlebt. Er konnte etwas Englisch und erklärte mir, dass er ein Security- Reiseunternehmen hätte und ich ihm doch meine Mobilenummer geben solle, damit er mich anrufen und ich mit ihm auf einen Trip gehe könne. Ich verschwieg, dass ich ein Mobile besitze und erklärte ihm, dass ich auch zu Hause kein Telefon hätte (ich bekomme schon genug Anrufe, die ich nicht verstehe...). Er gab mir dann seine Nummer mit der Aufforderung ihn Morgen anzurufen. Also erklärte ich ihm, dass ich hier arbeite und keine Zeit für einen Trip hätte. Plötzlich meinte er: „Ok, give me ten dollars!“ - „Why?“ - „Because your my friend.“ - Achso bekommt man hier Freunde. Ich erklärte ihm, dass ich keine Dollars hätte und prompt wollte er Euros. „Switzerland no euros!“ - Na gut, dann gib mit halt Swiss Francs. Ist ja logisch! Schlussendlich wollte er, dass ich ihm 5000 Tg gebe, damit er mit seinen Kollegen das Getränk bezahlen könne. Nichts da! Zum Schluss meinte er dann: „Hehe, I do Jokk!“ - Hä? Ach so, he‘s joking. Alles klar. Dann verzog er sich endlich. Ist er nun mein Freund oder nicht?
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| Das Stepperiders-Camp. |
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| Unsere Ger: die Betten waren etwas schmal und hart. |
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| Aussicht von einem Hügel. Die Pferde wollten nicht mehr runter, so dass wir sie führen mussten. |
Am nächsten Morgen nach einem stärkenden Morgenessen (nach Brot, Confi und Sutezä (=Tee mit Milch), gabs dann zum zweiten Gang noch Milchreis und unsere Pferde wurden von einem Nachbar (ca. 30 Min) geholt und gesattelt. Ich hatte die Ehre einen harten mongolischen Sattel auf meinem Pferd zu haben, zum Glück mit einem Kissen drauf. Mongolische Pferde werden immer von links aufgesessen und einhändig geritten (wie soll man sonst auch noch ein Schwert schwingen gescheige den in getrecktem Galopp eine Pfeil abfeuern können). Mit „Tshuu“ sollte es losgehen, aber Jenny erklärte mir sofort, dass bei meinem Pferd einen heftigen Kick dazukommen muss, damit es sich in Bewegung setzt. Wie fest darf man so ein Pferd treten, bevor man in hohem Bogen davon fliegt?
Da sich am Anfang die Herde, aus der sich unsere Tiere befanden, in der Nähe war, wollten sie immer wieder nach rechts abbiegen und wir mussten sie andauernd nach links korrigieren. Wir ritten in einem grossen Bogen um das Camp herum.
Galoppieren durften wir anfangs nicht, weil das Gelände zu gefährlich war (nicht für uns sondern für die Pferde; es hatte überall Mäuselöcher und die Pferde brachen ab und zu etwas ein). Wir durften also nur etwas schneller traben (Pferdefans bitte melden, falls ich da mit den Gangarten etwas ein Chaos mache). Auf einer Strasse (einer etwas festgefahrener Piste ohne Autos) kamen wir dann trotzdem noch in den Genuss eines Galopps. Wir flogen stehen in unserem Sattel (die Mongolen stehen immer) durch die Steppe...
Nach 3h Ausritt waren wir dann doch froh endlich wieder zurück zu sein. Am meisten schmerzten mich meine Knie, mein Gesäss hat den ersten Ritt erstaunlich gut überstanden. Nach einem weiteren mongolischen Abendessen ging es dann zurück nach UB.
Übrigens das einzige was mich bis jetzt noch schmerzt, ist mein Rücken, da wurden wohl irgendwelche Muskel aktiviert die sonst ruhen.
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| Noch was für den Jööö-Effekt. |
Ich habe ihm dann natürlich abgesagt und so wies aussieht, werden Meli und ich zusammen mit noch ein paar anderen Schweizer Praktikanten einen Trip für 32USD pro Person und Tag in die Wüste Gobi inkl. Kamelritt unternehmen. Aber dazu später. By the way, wir alle drei hatten nicht die geringsten WC-Probleme in der Nacht oder dem darauf folgenden Tag.
Ach ja noch eine Erklärung zum Foto: Mehr Fett als Fleisch. In einem Restaurant, in welchem wir anhand von Bildchen unser Essen ausgesucht hatten, bekam Andi wohl das beste ab. Sein Teller bestand aus drei gerösteten Apfelscheibchen und einem Stückfleisch (Rücken) mit Knochen, aber auf mongolische Art, d.h. zwei Zentimeter Fleisch umrandet von mind. zwei Zentimeter Fett. En Guete!
Er kämpfte sich tapfer durch die Hälfte des Fettrandes, aber selbst der Kellner musste beim Servieren etwas schmunzeln und in Folge Kommunikationsprobleme wissen wir immer noch nicht, ob man das Fett nicht doch lieber auf dem Teller zurückgelassen hätte.







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