29.08.2006

Zu den Lamas in den Norden


Kloster Amarbajasgalant (links), im Vordergrund ein Owoo (volksreligions Zeichen).

Amarbajasgalant - Steeperiders II

Unser russisches Gefährt.
Am Freitagmorgen früh trafen wir uns für den Trip in den Norden, für den wir einen russischen Minivan inklusive Fahrer gemietet hatten. Da Rebekka den Abt des Klosters telefonisch nicht mehr erreicht hatte, nahmen wir Essen und Wasser für die ganzen drei Tage mit, d.h. mein Rucksack war nur mit Wasserflaschen gefüllt (30 Liter).
Wir holperten los und mussten bald feststellen, dass unser Van nicht über 70 km/h kommt, obwohl vor uns ein Weg von 350 km lag. Wir stellten uns also auf eine lange Fahrt ein. Unterwegs versuchten wir dem Fahrer (Ochdo) klar zu machen, dass wir gerne den Geierfels besuchen würden. Vorauf wir nach den ersten 100 km von der Teerstrasse auf die Piste abbogen. Das Geholpere nahm zu 100 Prozent zu. Der Geierfels, der weder von Geiern bevölkert wurde noch nach Geier aussah, beeindruckte uns berggewohnte Schweizer nicht wirklich, aber unseren Beinen war ein kurzer Spaziergang gerade recht.
Irgendwann als die Strasse nur noch gerade durch die Steppe verlief, stoppten wir am Strassenrand um zu picknicken. Ochdo wurde natürlich auch von uns verpflegt, obwohl wir nie herausfanden, ob ihm unser schweizerisches Picknick mit Gemüse, Käse und Brot wirklich schmeckte.
Tempel im Kloster.
Eine der Gottheiten (Weisheit).
Als wir nach ca. 300 km Fahrt bei einem Wegweiser zum Kloster Amarbajasgalant von der Teerstrasse abbogen und durch die Hügel fuhren, begann sich der Himmel zu verdunkeln und Regen setzte ein. Wir staunten nicht schlecht, als uns auf dieser Strecke ein Auto nach dem anderen entgegen kam, nahmen wir doch an, dass wir in ein abgelegenes Buddhistisches Kloster unterwegs waren. Auch der Platz vor dem Klostertor war mit unzähligen Autos übersät und als wir uns im grossen Tempel umsehen wollten, wurden wir von einer riesigen, aufgeregten Menge Mongolen fast überrannt. Es ging zu und her wie auf einem Marktplatz. Die Menschen hielten weisse Zettel hoch und bekamen in der Mitte des Tempels von den Lamas irgendwelche Sachen zurück. Später erfuhren wir vom Abt, dass eine dreitägige Zeremonie stattgefunden habe, bei welcher die Gläubigen eine Box (z. T. verzierte Kelche) mit Dingen (z. B. Süssigkeiten) gefüllt die ihnen wichtig sind. Diese Boxen werden dann gesegnet und nach Hause genommen, wo sie ein ganzes Jahr nicht geöffnet wird und so Glück und Segen über Haushalt und Familie bringt.
In diesem Tohuwabohu hatten wir keine Chance den Abt zu finden und hingen ein bisschen ratlos im Kloster herum, wussten wir doch nicht, wo wir übernachten sollten. Als sich jedoch unser Fahrer gerade um ein Zimmer in einem Hotel (= Häuschen mit einigen Zimmern) bemüht hatte, kam ein junger Lama und rief uns zu Lobsang (Abt). Er begrüsste uns herzlich und führte uns in ein Gercamp, das vom Kloster seit diesem Sommer geführt wird. Es ist die erste kommerzielle Einnahmequelle des Klosters, welches dringend Geld für die Erhaltung der hölzernen Tempel braucht.
Nach dem Abendessen zeigte uns der 26 jährige Abt den Tempel und beantwortete einige unserer Fragen zum Buddhismus. Wir erfuhren unter anderem, dass alles was in einen Tempel gebracht wurde, dort mind. 3 Tage bleiben muss, also auch jeglicher Abfall den die Tausend Gläubigen heute dort liegen liessen.
Am nächsten Morgen, nach einigen süssen Gebäcken, machten wir uns auf zu acht Stupas (Reinkarnationen Buddhas) an einem Hügel in der Nähe. Als wir uns einigen Gebäuden näherten, öffnete uns eine Frau einen Tempel. Wir genossen die Aussicht und das schöne Wetter, bevor Meli und Rebekka in der Küchenger Pasta kochten. Die mongolischen Frauen schauten interessiert zu, boten ihnen Fleisch für in die Sauce an und konnten kaum glauben, dass Schweizer Pasta ohne Fleisch essen und erst noch Thymian von der Weide ins Essen streuen.
Danach trafen wir uns im Kloster wieder mit Lobsang. Er erzählte uns über das Leben im Kloster und erklärte uns einige Symbole des mongolischen Buddhismus. Da er jedoch an diesem Tag nach UB musste, hatte er nicht so viel Zeit, worauf er einen jungen Mönchen uns die restlichen Tempel zeigen liess. Dieser schien nicht allzu motiviert und hörte die ganze Zeit über Kopfhörer Popmusik.
Acht Stupas, die sieben ersten symbolisieren die Reinkarnationen Buddhas, die letzte das Nirvana.
Nach einer weiteren kühlen Nacht in der Ger (wir hatten zwar einen Ofen, den Odcho jeweils fast zum Glühen brachte, aber der auch ebenso schnell wieder abkühlte) machten wir uns auf die Rückfahrt. Kurz nach dem Tankstop wurden wir von einem Polizisten angehalten. Wir dachten zuerst, es handle sich nur um eine Fahrzeugkontrolle, doch dann mussten wir alle unsere Passkopien zücken. Leider hatte Meli keine dabei, was den Polizisten dazu veranlasste einfach mal zehn Minuten in unser Auto zu sitzen. Ich gab ihm dann die Telefonnummer des SDCs, doch niemand hob ab. Der Polizist erreichte dann jemand, der Englisch sprach und wir erfuhren, dass Meli eine Busse von MNT 10‘000 zu bezahlen hat.

Blick vom Klostergelände ins Tal, durch das wir ritten.
Unser idyllischer Zeltplatz.
Am nächsten Tag war Waschen und Packen für den Pferdetrip bei den Stepperiders angesagt. Um fünf Uhr wurden wir von Jenny persönlich abgeholt. Ausser uns kam auch noch Anna (Schweizerin auf Asienreise) mit und später lernten wir dann noch Lucy (Engländerin) kennen. Nach dem Abendessen spielte zuerst mein Magen und dann in der Nacht Melis Magen verrückt, doch am nächsten Morgen war zum Glück alles wieder ok. Wir sattelten unsere Pferde, beluden sie mit unserem Gepäck und los ging‘s in die weite Ebene. Begleitet wurden wir von Minde (Geschäftspartner von Jenny) und Ulzij (Jenny‘s Freund). Wir trabten und galoppierten durch ein Tal, über einen Pass und nach einem Zwischenhalt in einem Städtchen gelangten wir an die Parkgrenze des Mandzushir Klosters, das ich schon einmal besucht hatte (Ausgangspunkt der misslungenen Wanderung). Wir Ausländer mussten wieder MNT 5000 für den Eintritt bezahlen. Nun ging es durch ein Wäldchen bis zur Klosterruine, wo wir die Pferde grasen liessen und das Gelände erkundeten.
Nach dem unsere zwei mongolischen Begleiter das Campingmaterial geholte und das durchgebrannte Pferd von Ulzij wieder eingefangen hatten, ging es noch etwas in die Hügel hinauf, wo wir unser Nachtlager aufschlugen (Chinesische Zelte vom Schwarzmarkt, die schon etwas gelitten hatten). Wir machten ein Feuer und kochten eine mongolische Suppe (Hammelfleisch und Nudeln). Den drei Frauen war das etwas zu mager, worauf sie dann am Feuer bei Vodka, offeriert von Mende, von Schoggi-Banane und gebrannten Marshmellows zu schwärmen begannen.
Die zwei Mongolen verbrachten die Nacht im Freien, um die Pferde zu bewachen und als wir uns wieder aus unseren Zelten geschält hatten, ging es ohne Frühstück los. Zum Glück nicht weit. Im Restaurant des Klostergercamps gab es wieder mal Suutezä und süsse Gebäcke, die Meli langsam aber sicher zum Hals heraushingen.
In gestrecktem Galopp ging es dann ins Tal hinaus. Meli lieferte sich auf ihrem schnellen Pferd mit Ulzij ein Renne und ich konnte nicht mithalten, weil sich mein Sattel gelöst hatte. Nach dem Tränken der Pferde am Fluss, ging es zurück zum Camp. Die Pferde von Anna und mir waren plötzlich die schnellsten und kamen als erste ans Ziel.
Wieder zurück in UB galt es noch eine Anzahlung für den Trip in die Wüste zu erledigen und dann zu packen, denn am nächsten Morgen mussten wir früh aufzustehen.

Keine Kommentare: