04.12.2006

Letzte News aus der Mongolei


Das doch noch fertig gewordene, neue Chingis Khan Denkmal. Es sollte eigentlich an Nadam, meinem Ankunftswochenende eingeweiht werden.

Büro ade - International Volunteers Day - Packen - ... und tschüss!

Die letzten Tage im Büro habe ich gemütlich genommen. Ich überarbeitete nochmals die Desertifikations Datenbank und wurde von Munkh überall gelobt, wie gut meine Arbeit sei und wie gut ich mit ihr zusammen gearbeitet habe. Mir war es schon fast peinlich und mein Arbeitszeugnisentwurf war dem entsprechend voller Lobgesang und Markus Dubach (SDC Country Director und der oberster Chef) musste noch einige Änderungen vornehmen. Ich habe, das alles mitbekommen, weil ich Munkh fragte, ob ich nicht das Layout machen könne. ihr Computerkurs hat nämlich nicht so gefruchtet, so dass ihre Dokumente immer noch ein layouterische Durcheinander sind.
Beim Report über das Bewässerungssystem gab es in der letzten Woche dann plötzlich auch noch Antwort auf meine schon lang gestellten Fragen und ich musste noch einige Änderungen vornehmen. An die Art wie die Mongolen Fragen beantworten, habe ich mich bis am Schluss nicht richtig gewöhnt. Wenn man nicht bis ins letzte Detail fragt, dann bekommt man auch keine Antwort. Ein Beispiel:
Auf die Frage wie viele Gärtner auf dem Feld in Mazar bag anbauen, bekam ich die Antwort 48 und einige davon seien in Kooperativen organisiert. Als ich dann nachfragte, wer im Keller sein Gemüse lagern kann, war die Antwort, der Keller ist in vier Teile aufgeteilt. Zwei für die Kooperativen, einen für die Non-Koopertive Gardeners und der vierte für Organisationen. Wie bitte, was für Organisationen? Antwort: auf dem Feld pflanzt auch noch ein Spital und ein Schulheim an. Ob diese beiden Organisationen in den 48 Gärtnern enthalten sind oder nicht, weiss ich bis jetzt noch nicht.


Chingis Kahn: das neue Denkmal mit dem grössten Mongolen aller Zeiten in Lebensgrösse.
Ein alter Mongole vor dem neuen Denkmal.

Kinder, warm eingepackt, auf dem Weg in den Kindergarten.


Am Sonntag wurden Rebekka und ich von den UN Volunteers an den International Volunteers Day eingeladen. Wir trafen uns um 10.00 Uhr vor dem schwer bewachten UN Gebäude mit noch anderen vor allem Asiatischen Volunteers und machten uns dann auf in den Choroo (den Ger Distrikt, wo ich schon einmal einen Spaziergang beschrieben habe). In einem Gebäude, das von lokalen Volunteers in ein Informationszentrum umgebaut wurde, sassen wir dann in mitten vor allem mongolischer Volunteers und lauschten den verschiedenen Ansprachen, wie wichtige freiwilligen Arbeit sei und wie viele Volunteers es in der Mongolei gebe. Als sich dann die einzelnen Organisationen vorzustellen begannen und die Sprach definitiv nur noch Mongolisch war (anfangs wurde alles noch auf Englisch übersetzt) entschlossen wir (Catarina, eine Schweizerin, die Englisch unterrichtet, Rebekka und Mareke, eine Koreanerin) uns einen Spaziergang durch die Gersiedlung zu unternehmen.
Obwohl es eisigkalt wird nach nur zehn Minuten draussen, beobachteten wir, wie ein Lastwagen Wasser zu einem Verteilerhäuschen brachte und die Bewohner mit Plastikkübeln in einer Reihe werteten.
Auch von den restlichen Präsentationen verstanden wir nicht all zu viel, blieben aber anstandshalber bis am Schluss. Um uns dann wieder richtig aufzuwärmen machten wir Schweizer uns zusammen mit drei Koreanischen Volunteers auf in ein Cafe, wo wir den restlichen Abend verbrachten.


Am International Volunteers Day: die mongolischen Voluteers lauschen gespannt.

Eingang des Schwarzmarktes: nach zweistündigem Shopping ist man recht durchfroren.
Mein Lieblingsrestaurant: Tsuivan und Sutezää für MNT 1300 (nach Rebeka: ein mongolisches Loch).


Natürlich war in den letzten Tagen auch noch Souvenirshopping angesagt. Am Samstag unternahm ich mit Rebekka eine ausgedehnte Shoppingtour (ich darf ihre Souvenirs in die Schweiz transportieren, da Übergewicht bei der Aeroflot billiger ist und sie noch weiter nach Vietnam reist, um ihren Freund Fabian, der dort sein Praktikum absolviert, zu besuchen). Am Montag war dann nochmals der Schwarzmarkt auf dem Plan. Damit ich nicht am Schluss nochmals übers Ohr gehauen werde, kam Nomin, die Mongolin, die mich am Flughafen abgeholt hatte, mit und handelte für mich die Preise runter.
Am späteren Abend traf ich dann in einer Bar nochmals alle Schweizer (die noch hier sind) und die anderen am Sonntag kennen gelernten Volunteers für einen Abschiedstrunk. Wir verbrachten einige gemütliche Stunden, was mir den Abschied natürlich nicht gerade leichter macht.

Heute morgen putzte ich meine Wohnung und sitze jetzt zum letzten Mal an meinem Pult. Sobald dieser Blog fertig ist, werde ich mich auf Abschiedstour durch das Büro begeben und dann früh ins Bett gehen. Ich muss mich morgen um 5.00 Uhr auf den Weg auf den Flughafen machen.


Beim Abschiedsumtrunk: Rebekka, Tjoung, Makere, Stone (drei Koreaner).


Eine mongolische UN Volunteer (deren Name ich vergessen habe) und Isabel.


Annatina, Inhee (Koreanerin) und Catarina. Die zwei Schweizerinnen unterrichten Deutsch bzw. Englisch und werden der Kälte bis zum bitteren Ende trotzen.


Hm... am Ende sollte wohl noch ein Fazit kommen. Also mein Aufenthalt in der Mongolei war einsame Spitze. Ich habe viel gelernt über das Land und die Mongolen. Weiss nun, dass sie nicht alle als säbelrasselnde wilde Horde durch die Steppe reiten, sondern dass sie lieber bei Airag (oder Vodka) zusammen in der warmen Ger Karten spielen. Auch ist das Land nicht ganz so unterentwickelt, wie in meinem Reiseführer beschrieben ist und kann durchaus von ganz normalen Touristen besucht werden. Ich verlasse das Land ohne Zäune mit einem weinenden Auge, wer weiss, ob ich jemals wieder hierher zurückkomme... Aber ich freue mich genau so euch alle in der Schweiz wieder zu treffen.

Letzte Grüsse aus der kalten Mongolei und bis bald in der Schweiz.
Raphi

27.11.2006

Letzter Ausflug aufs Land


Die vier Ger in der Winterlandschaft: wir übernachteten in der zweiten von links.

Minus 28°C - Terelj - Winterlandschaft - Tschingis Khan

Minus 27°CLangsam aber sicher erreichen uns hier in Ulaanbaatar wirklich eisige Temperaturen: heute Morgen hat sich mein Wunsch erfüllt: -28°C!
Ich durfte es also erleben, was es heisst, sehr kalt zu sein. Zu meiner Ernüchterung füllte es sich aber gar nicht so kalt an (aber ich war ja auch warm angezogen). Beim Einatmen gefrieren einem die Nasenhaare, aber dankt der niedrigen Luftfeuchtigkeit ist die einigermassen erträglich Kälte erträglich. Zu dem schmilzt der Schnee dankt diesen Temperaturen kaum und verwandelt sich nicht wie in Zürich in eine matschige, dreckige Brühe.


Schnee auf dem Sukhbaatar Platz: das neue Tschingis Khan Denkmal vor dem Parlamentsgebäude ist fast fertig.
Warm eingepackte Mongolen vor dem Sukhbaatar Denkmal.
Auch den Autos ist es langsam aber sicher zu kalt.



Dieses Wochenende waren Rebekka, Stefan und ich zum letzten Mal auf dem Land. Auf dem zum Sukhbaatar Platz, wo wir uns kurz vor Mittag trafen, schneite es leicht. Der Schnee glitzerte und funkelte und die Strassen und Plätze waren mit einer ca. 5cm dicken Schneeschicht bedeckt. Da ich zu früh dran war nutzte ich die Chance den verschneiten Sukhbaatar Platz zu fotografieren, was sich als nicht so einfach herausstellte, da gewisse Platten des Platzes durch den Schnee recht glitschig waren. Ich schaffte es nach einigen Balanceakten dann doch meine Fotos zu schiessen.

Unser Taxi nach Terelj ("Teriltsch", dem National Park in dem ich an meinem ersten Wochenende schon war) war erstaunlicherweise pünktlich. Wir zwängten uns zu dritt auf die Rückbank, denn vorne neben dem Fahrer sass Saraa, die in Terelj als Nebenerwerb eine Ger für Touristen führt. Das Auto war eine richtige Klapperkiste und wir kamen nur sehr langsam voran, aber es war uns irgendwie egal, so konnten wir die schöne Schneelandschaft geniessen und als wir etwas aus Ulaanbaatar hinaus waren, war der Himmel zwar immer noch bedeckt, aber wenigstens mit weissen Wolken. Nach ca. einstündiger Fahrt, als wir von der Hauptstrasse abbogen, sagte der Fahrer plötzlich: "Tschingi Hahn" (das K in Tschingis Khan, wird nicht wirklich ausgesprochen) und zeigte nach vorne. Und tatsächlich da stand er... Silbern und riesig tauchte er über einem Hügel auf, in the middle of nowhere - eine Statue ca. 50m hoch, noch im Bau, aber schon wieder am rosten. Im Sockel der Statue sollen noch Restaurants und Bars entstehen. Die spinnen die Mongolen...


Winterlandschaft: etwaige Sicht Tschingis Kahns.

Tschingis Khan Denkmal: die Pfeiler rosten schon wieder.
Beim Schlachten der Kuh: die Hunde verspeisen, was die Menschen ihnen zugestehen, z.B. Mageninnenhaut.



Nach einer weiteren Stunde durch tiefverschneite Landschaft, kamen wir an einen Hügel in dessen Schutz vier Ger und dahinter ein Unterstand für Vieh aufgestellt waren. Etwas weiter entfernt waren alle Bewohner damit beschäftigt eine Kuh zu schlachten. Die Frauen entleerten den Darm und mussten dazu immer wieder die Hunde verscheuchen, die Männer trennten die Rippen von der Wirbelsäule und schnitten das Fleisch zu recht. Es war wirklich eindrücklich.
Nach diesem Biologieunterricht bezogen wir unsere Ger, bekam Tee und machten uns dann auf für einen Spaziergang. Der Fluss in der Nähe war gefroren, aber wir wussten nicht, ob das Eis uns auch wirklich tragen würde, denn an einigen Stellen war das Wasser noch eisfrei. Wir tasten uns langsam vor und schafften es wirklich hinüber. Später sahen wir dann einen Reiter und Kühe die auch über das Eis liefen, also völlig ungefährlich. Wir spazierten den Fluss hinauf, schlitterten über das Eis, bestaunten die Eiskristalle und kehrten dann etwas gefroren in unsere Ger zurück.


Der halb zu gefrorene Fluss - am nächsten Tag hatte es auch hier eine dünne Eisschicht.
Blick vom nahen Hügel auf den Fluss.
Eiskristalle auf dem Fluss.



Leider war diese trotz rauchendem Kamin nicht wirklich warm und wurde auch dies auch später nicht wirklich. Saraa versuchte den Ofen mit Kohle zu heizen, doch irgendwie glühte diese Kohle nicht wirklich (schlechte Qualität), aber auch beim Heizen mit Holz drang die Wärme nicht bis an die Wand der Ger. Wir sassen deshalb im Kreis um den Ofen, um uns zu wärmen. Nach einem Abendessen (mit frischem Fleisch) spielten wir bei Kerzenschein Karten und heizten den Ofen mit Kohle nochmals richtig ein bevor wir uns im Schlafsack verkrochen.
Die Nacht war trotz bis oben zugezurrtem Schlafsack, Cashmere Kappe und dem Mongolen der mitten in der Nacht immer wieder kam und unseren Ofen einheizte eher an der Grenze... Wir waren auf jeden Fall froh, als wir uns am nächsten Morgen wieder direkt am Ofen wärmen konnten. Nach einem Frühstück (gefrorene Tomatenscheiben, Ei und Brot) erkundeten wir die Landschaft noch Flussabwärts.
Ach ja, da gibt's ja noch die Story eines jungen Hündchens zu erzählen, das von Rebekka sofort in Herz geschlossen wurde. Es konnte einem ja auch Leid tun, wie es herzzerreissend winselnd auf drei Beinen im Schnee stand, so klein und hilflos. Das Welpen wurde von einer anderen Schweizerin, die oft hierher kommt um zu reiten, vor ein paar Wochen in Ulaanbaatar auf der Strasse gefunden und nach Terelj gebracht. Auf jeden Fall hatte auch das Hündchen uns ins Herz geschlossen und wollte unbedingt auf unserem Spaziergang dabei sein. Noch bevor wir den Fluss richtig erreicht hatten, begann es wieder zu winseln und wimmern, was Rebekka dazu bewog es auf dem weiteren Spaziergang auf dem Arm zu tragen.


Am zweiten Tag auf dem Spaziergang.
Das arme Hündchen auf drei Beinen.
Drei fast verfrorene Schweizer.



Nun ja, meine letzte Woche im Büro ist nun angebrochen. Mit Munkh habe ich heute Morgen meine Datenbank nochmals angeschaut und werde nun noch einige Verbesserungen anbringen. Dann heisst es noch etwas Souvenirshopping machen und mich von allen verabschieden, um schon bald die Tupolev zu besteigen, welche mich bald heim in die anscheinend warme Schweiz bringen wird...

Bis bald, raphi

22.11.2006

Das allerletzte Mal in Mazar bag


Die neue Schleuse: man vergleiche das Blau das Gitters mit dem Blau des Himmels...

Mazar bag zum Letzten - kein Microbus, aber trotzdem langer als geplant - Schnee


Tja, wie am Titel unschwer zu erkenne ist, war ich wieder einmal in Mazar bag. Nun aber wirklich zum aller letzten Mal (einige SDC Angestellte witzeln schon, ich hätte dort eine neue Freundin gefunden).
Zaya, die Verantwortliche des SDCs für das Bewässerungsprojekt, wollte nicht alleine mit Turkhuu zur Abnahme des Projekts nach Mazar bag fahren und so kam ich in de Genuss mich nochmals sieben Stunden in den Jeep zu setzen und in den Westen zu fahren. Eigentlich sollte das Ganze einen zweitägigen Trip werden, aber das klappte natürlich nicht, den es scheiterte schon beim Losfahren. Zaya wollte zwar unbedingt früh los und sprach immer von sechs Uhr in der Früh, doch als wir uns dann um halb zehn treffen sollten, kam sie mit ca. 30 Minuten Verspätung und musste dann erst noch am Sonntag eine Bank finden, die offen hat (das gibt es hier also schon), um Geld zu bekommen. So ging es also erst um 11.30 Uhr so richtig los und aus UB raus.
Unterwegs kehrten wir einmal mehr in einem Ger-Restaurant am Strassenrand ein. Ich habe da immer so meine Bedenken von wegen Hygiene und so, aber ich durfte diesmal Zeuge werden, dass die mongolische Suppe frisch auf dem Feuer für uns zubereitet wurde. Sie schmeckte auch dem entsprechen gut.
Arwajcheer, das Aimag Zentrum erreichten wir dann kurz nach vier, aber Turkhuu meinte , dass es sich nicht mehr lohnen würde nach Mazar bag zu fahren. Es dunkelt hier so gegen 17.30 Uhr ein. So verbrachten wir also die Nacht in dem mir schon bekannten Hotel und am nächsten Tag sollte es wieder einmal früh losgehen.


In einer solchen Ger assen wir unser Mittagessen bzw. unser Frühstück.
Nicht nur mit dem Auto kommt die Kundschaft ins Restaurant.
Etwas unappetitlicher Anblick: im Restaurant wurde vor kurzem ein Schaff geschlachtet.



Für die Mongolen anscheinend früh fuhren wir dann auch gegen 10.00 Uhr nach Mazar bag. Die neue Schleuse war fertig, der Damm rundherum erhöht und verstärkt. Beim Bag Governor gab's wie immer Sutezä und ich gab der Familie meine beim letzten Besuch geschossenen und nun ausgedruckten Fotos. Sie waren hell begeistert. Dann fing das Warten an. Für eine Projektabnahme braucht es natürlich schon einiges hohes amtliches Personal. So tauchte dann irgendwann mal der Head of the Ministry of Agriculture des Aimags auf, aber der Sum Governor liess auf sich warten. Erstaunlicherweise würde das warten sogar Turkhuu zu mühsam, so dass er entschloss, den Sum Governor abzuholen.
Noch kurz was zur Verwaltungsstruktur in der Mongolei: ein Aimag entspricht so etwa einem Kanton, davon gibt es insgesamt 21 plus der Hauptstadt, die ein unabhängiger Distrikt ist. Die nächst kleinere Stufe ist der Sum und dann als kleinste Einheit der bag.
Wir rasten als im Jeep Richtung Süden bis uns auf halbem Weg ein anderer Jeep entgegenkam. Der Bag Governor, wollte sich also doch nicht abholen lassen. Nach der offiziellen Besichtigung des Reservoirs inklusive Fototermin auf der neuen Schleuse, hielt dann jeder der Anwesenden eine kurze Rede über die Wichtigkeit des Damms, der Beziehung zum JCS und dem SDC etc. Sogar ich als Praktikant durfte meine Eindrücke und Empfehlungen abgeben. In einer nahen Ger warteten dann die Arbeiter auf ihr Zertifikat (da sind die Mongolen noch richtig Sowjetisch veranlagt: für jeden gab es ein Stück Papier mit Unterschrift all dieser oben genannten wichtigen Persönlichkeiten und einem grossen roten Stempel drauf). Darauf folgte dann wieder mal ein Fototermin, für den immer meine Kamera herhalten musste, weil alle anderen keine Batterien mehr hatten, aber dafür kann ich diese Fotos nun auch im Blog präsentieren. Wieder zurück in der Ger des Bag Governors gab es dann zur Feier noch eine Flasche Vodka (ehrlich gesagt, habe ich mich schon lange gefragt, wo den der Vodka bei all dem offiziellen Getue geblieben ist...).


Die wichtigen Projektleute: (v.l.) Bag Governor, Sum Governor, Minister of Agriculture, Turkhuu, ich und der Hydroingenieur.
Gruppenbild der wohl viel wichtigeren Arbeitern.
Sonnenuntergang in der Wüste kurz vor der Abfahrt.



Kurz vor dem Eindunkeln hiess es dann für mich definitiv Abschied von Mazar bag zu nehmen. Turkhuu entschied es sei zu gefährlich während der Nacht nach UB zu fahren (ob auf Grund des Vodka-Konsums, bei dem sich auch der Fahrer nicht zurückgehalten hatte oder nicht bleibt mal dahingestellt) und so ging es wieder mal nur bis ins Aimag Zentrum.
Zaya pochte dann auf eine frühe Abfahrt am nächsten Morgen und wir schafften es tatsächlich um 8.00 Uhr los zu fahren. Wir fuhren wieder bis zu den Ger-Restaurant und kehrten im selben ein, wie auf der Hinfahrt. Es gab als etwas verspätetes Frühstück eine viel zu grosse Portion Tsuivan. Nach einem weiteren Zwischenhalt für einen Kaffee kamen wir dann gegen 16.00 Uhr in UB an. Das war natürlich viel zu spät um sich noch im Büro blicken zu lassen und so fuhr der Fahrer jeden einzelnen vor die Haustüre.

Tja, mit planen und voraussagen, wie lange eine Reise dauern soll, da haben die Mongolen stets etwas Mühe, aber das macht das ganze immer sehr abwechslungsreich und in der Zwischenzeit habe ich mich schon daran gewöhnt. Mal schauen, ob ich mich in der Schweiz wieder umgewöhnen kann und nicht andauernd zu spät kommen werde.

Heute Morgen erlebte ich dann die nächste Überraschung. Als ich zum Fenster hinaus blickte war alles weiss. Es hat über Nacht richtig heftig geschneit (nicht so wie bis an hin...). Auf meinem Weg ins Büro drangen dann die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke und liessen die Strassen in glitzerndem Licht erscheinen.


Wieder mal der Blick von meinem Balkon aus, diesmal mit Schnee.
Verschneite Strasse: Winterpneus kennen die Mongolen nicht...

Mit den Besen, die sonst zum Staubwischen benutzt werden, versuchen die Mongolen dem Schnee Herr zu werden.



15.11.2006

670 Gramm Fleisch für 1900 Tugrik


Unsere ersten Buuz!

Büro - Kochkurs - Minus Temperaturen - Russ

Seit ich im Büro so richtig mit dem Schreiben meines Berichts über das Bewässerungssystem in Mazar bag beschäftigt bin, bekomme ich immer wieder andere Aufgaben. So durfte/musste ich meine Arbeit unterbrechen, um einen Kurzreport über das Projekt in Mazar bag zu schreiben. Darin sollte ich das Projekt kurz beschreiben, erklären, was das Projekt bewirkt hat und wer davon profitieren wird. Zu guter letzt sollte ich dann noch die Lessons learnt (dies werden immer stark hervorgehoben, da jedes Projekt den Anspruch hat, am meisten in Erfahrung gebracht zu haben und das beste sein zu wollen) schreiben, aber was schreibt man, wenn man während der Projektausführung gar nie richtig dabei war? Dazu bekam ich die Aufgabe über dasselbe Projekt ein Factsheet zu schreiben. Der Inhalt ist in etwa derselbe, aber er sollte einfach etwas interessanter klingen.
Ich habe also zum Glück immer wieder was zu tun und kann meine Absicht, wieder an der Desertifikations Datenbank weiterzuarbeiten, immer wieder hinauszögern, worüber ich eigentlich gar nicht traurig bin. Zu dem habe ich heute in Erfahrung gebracht, dass das Desertifikations Projekt evt. gar nicht durchgeführt werden kann, weil das DEZA gar nicht genug Geld zur Verfügung stellen wird. Mal schauen, was in diesem Fall meine Datenbank noch nützt.


Kioske auf dem Weg ins Büro: wie kalt es darin wohl sein muss?

Eine Schule auf dem Nachhauseweg im Abendlicht.
Eisfläche am Morgen auf dem Weg.


Letzten Samstag hatte ich dann für Stefan und mich einen Mongolisch Kochkurs organisiert. Eine Angestellt aus dem SDC, Davaa, brachte uns bei, wie man Buuz (Teigtaschen, die gedämpft werden) und Chuschur (die gleichen Teigtaschen, einfach etwas grösser und flach gedrückt im Öl frittiert) kocht.
Wir trafen uns am späteren Nachmittag vor dem Einkaufszentrum in der Nähe meiner Wohnung und Davaa zeigte uns, wie man mongolisch einkauft. Viel brauchten wir nicht. Das wichtigste ist natürlich das Fleisch... Wir kauften 670g tiefgefrorenes Beef für MNT 1900, richtige Buuz würde man jedoch mit Mutton mit extra viel Fett herstellen, aber das wollten wir uns schenken. Dann Zwiebeln, Mehl, Essiggurken und für den Sutezä: Milch und die Teemischung.
Ach ja und dann wurden wir doch noch Zeugen, wie es wohl kurz nach dem Zusammenbruch der UdSSR gewesen sein musste, als man für ein Produkt lange anstehen musste. Es gab Eier zum halben Preis und die Mongolen waren wie wild darauf und vor dem Tresen bildete sich eine lange Schlange. Die meisten gaben sich nicht mit einem Karton (30 Eier) zufrieden, nein es mussten schon mindestens drei solcher Kartons sein. Tja und nach einigem Überlegen kamen Stefan und ich zum Schluss, dass wir wohl auch von diesem Sonderangebot gebrauch machen müssen und kauften zusammen, ganz schweizerisch bescheiden, 20 Eier.
Bei mir Zuhause ging es dann also mit Kochen los. Während Stefan das Fleisch klein hacken musste, schnitt ich die Zwiebeln und Davaa mischte den Teig (einfach Mehl und Wasser). Das Fleisch wird dann mit den Zwiebeln gemixt, mit etwas Salz und Pfeffer gewürzt und dann mit etwas Wasser gemischt. Fertig ist die Füllung.
Aber das Schwierigste kommt erst noch, das Formen der Buuz. Unsere ersten Resultate sahen schon nicht gerade Top aus, aber es ging schnell besser. Die Buuz wurden dann im Steamer gedämpft, die Chuschurs fünf Minuten im Öl angebraten und schon sassen wir bei Essiggurken und Fleischtaschen am Tisch.


Das fein gehackte Fleisch.
Die ersten Versuche: es gibt viele verschiedene Varianten für Buuz.
Die fertigen Chuschurs.


Vom Wintereinbruch habe ich ja schon einmal in einem Blog gesprochen. Aber als ich aus Mazar bag zurück war, kam dann der wirkliche Kälteeinbruch. Über Tage war es morgens -16°C. Zum Glück ist es in den letzten Tagen wieder etwas wärmer geworden. Falls jmd. interessiert sein sollte, wie das Wetter in Ulaanbaatar aussieht und wie kalt es hier schon ist, hier ein Link. Die mongolischen Autofahrer versuchen sich auf verschiedene Weise vor dem morgendlichen Frostkratzen auf den Autoscheiben zu schützen: sie legen Leintücher über die Autoscheiben oder der eine oder andere opfert sogar seine Jacke dafür.
Eine andere Geschichte ist die Luftqualität, die im Winter noch einmal stark abnimmt, weil dann in jeder Ger ein Ofen, der mit Kohle geheizt wird, fast Tag und Nacht brennt. Wenn dann wenig Wind aufkommt und die Luft in UB zwischen den zwei Bergrücken gefangen ist, dann kommt man sich jeweils am Abend beim Verlassen des Büros wohl wie in London zur Zeit der Industrialisierung vor. Es riecht dann richtig fest nach verbrannter Kohle und ich verstehe nun die Mongolen, die dauernd auf den Boden spucken etwas besser; ich habe auch immer das Gefühl auf einem Stück Kohle herum zu kauen. Ne, also so schlimm ist es schon nicht, aber belegte Zähne, das gibt es schon. Dafür werden wir jeden Tag mit wunderbarem blauem Himmel entschädigt.

06.11.2006

19 Stunden im Minibus



Mongolische Statistik - Mazar bag II (Irrigation project) - mongolische Familie - Microbus
Während meine letzten Kartoffeln im Wasser weichgekocht werden, finde ich endlich wieder mal Zeit mich meinem Blog zu widmen. Aber ich muss schon sagen, viel Spannendes ist hier wirklich nicht passiert; es ist nun halt definitiv mehr Alltag als immer etwas Spezielles.

Im Büro quäle ich mich im Moment mit der mongolischen Datenerhebung und Statistiken ab. Mit Zahlen habe es die Mongolen einfach nicht so. In einer Statistik taucht die gleiche Fläche um einen Faktor zehn verschieden auf. Nur auf die Übersetzung ist das sicher nicht zurückzuführen. Und so weiter und so fort, aber damit will ich euch nun definitiv nicht langweilen, denn zum Glück kam am letzten Montag Turkhuu (das ist der Typ von JCS, der das Bewässerungsprojekt durchführt) und brachte Antworten auf meine Fragen. Er teilte mir ebenfalls mit, dass er am Donnerstag wieder nach Mazar bag fahren würde und ich mitkommen könne. Es hiess warme Sachen einpacken (auf dem Land ist es immer noch etwas kälter als in der Stadt) und Büro ade.

Mit dem Jeep ging es wieder in rasanter Fahrt in den Westen. Wie schnell wir unterwegs waren, kann ich nicht sagen, denn das Tachometer war kaputt. Aber wir sind ja in der Mongolei. Da es nun schon um sechs Uhr dunkel wird, verfuhren wir uns dann prompt, sobald wir die Teerstrasse nach Arwajcheer verlassen hatten. Dank eines Hirten auf einem Töff, fanden wir Mazar bag dann doch noch. Dieses Mal wohnten wir beim Bag Governor und dessen Familie persönlich in der Ger. (Zur Erklärung: ein bag ist die kleinste Verwaltungsebene und entspricht in etwa einer Gemeinde.)
Wir bekamen sofort Sutezä (wie immer) und es gab hausgemachten Salat aus Peperoni, Kohl und sonstigem Gemüse, das hier auf dem Feld wächst, daneben mongolische Suppe mit Fleisch und Fett. Neben der Familie mit zwei kleinen Töchtern, wohnten auch noch ein Hydroingenieur und ein Schweisser, die beide an der neuen Schleuse arbeiten, in derselben Ger. Für das Schlafen gehen, hiess dies also Teppiche auf dem Boden ausbreiten. Ich bekam natürlich eines der drei Betten und als ich meinem Schlafsack lag, gab es als Gutnacht-Umtrunk für jeden zwei Gläschen Vodka, wieder in der schon mal beschriebenen Zeremonie.

Morgenstimmung in der Wüste.Die Ger der Familie des Bag Governors. Strom für Licht und Fernseher gibt es von den Solarzellen (Mitte hinter der Ger).Leider ist die Kälte am Morgen früh schwer auf ein Foto zu bringen.


Am nächsten Tag war die Besichtigung der neuen Schleuse, ein Besuch beim Sum Governor und das Organisieren eines Lasters für den Transport von Steinen, um den Damm zu verstärken, angesagt. Wir fuhren als wieder mal ins Aimag Zenturm, Arwajcheer. Es wurde herumtelefoniert und als wir gerade mal auf irgendwas warten mussten, schlug Turkhuu vor zum Coiffeur zu gehen. Ich bekam also während der Arbeitszeit für MNT 1000 eine neue Frisur.
Zurück in der Ger waren einige Gärtner anwesend und ich stellte mit Hilfe von Turkhuu meine Fragen (wie erwirtschaften die Gärtner sonst noch Einkommen, wann verkaufen sie ihr Gemüse, wie sieht das Feld nun wirklich aus - ich bekam wieder mal ganz neue Zahlen, etc).
Den zweiten Tag verbrachten wir in Mazar bag. Viel los war nicht. Ich las den ganzen Morgen und wir besichtigten dann mal die Baustelle und standen dort etwas hilfslos herum - als Nicht-Arbeiter will man sich die Hände ja nicht schmutzig machen.
Gegen den späteren Abend half Turkhuu dann beim Kochen, was für einen mongolischen Mann doch schon etwas aussergewöhnliches ist. Es gab Buuz (Fleischtaschen) und als ich interessiert zugeschaut habe, musste ich natürlich daran glauben. Die Frau des Bag Governor zeigte mir wies geht, aber das braucht schon noch etwas Übung.

Ein einfacher Dieselgenerator liefert Strom für die Schweissarbeit.Die neu errichtete Schleuse.Die Verschalung für das Giessen des Betons wird abgelöst. Das meiste ist Handarbeit.


An diesem Punkt will ich mal noch etwas zum mongolischen Essen (auf dem Land) erzählen:
An einem Abend gab es eine typische mongolische Suppe: hausgemachte Nudeln (so etwas Flädli-ähnlich), Fleisch mit Fett dran, Kartoffeln und etwas Gemüse (wobei das Gemüse nicht immer darin zu finden ist). Das Fleisch wird als ganzes Stück (zum Beispiel ein Rippenstück oder eine Hüfte) in der Suppe gegart, dann kommen die restlichen Zutaten hinzu und von den Knochen wird etwas Fleisch in die Suppe geschnitten. Hier sei nochmals erwähnt, dass an einem Fleisch Stückchen mind. so viel Fett dran sein muss, damit es als gutes Fleisch gilt. Das restliche Fleisch gibt es einfach so als ganze Stücke auf einem Teller. Mit einem scharfen Messer oder direkt mit den Zähnen werden dann die Knochen blitzblank geputzt inklusive Sehnen. So das war das Abendessen.
Beim Morgenessen gibt es einfach die Resten, d.h. man nimmt sich einen Knochen mit Fleisch dran, schneidet das Fleisch ab und wirft es zum Wärmen in den heissen Tee. Die Suppe wird einfach nochmals aufgeheizt. Das nenn ich noch ein nahrhaftes Frühstück.
Was ich hier noch an führen muss. Ich habe mich in der Zwischenzeit ganz gut an das Fleisch und das Fett gewöhnt. Aber man muss auch sagen, dass das Fett irgendwie nie zäh ist, sondern es vergeht meistens auf der Zunge (ich hoffe, euch nicht das nächste Stück Fleisch verdorben zu haben).

Die ganze „Familie“ beim Essen: v.l.n.r.: Turkhuu, jüngste Tochter, Bag Governor, ältere Tochter, Fahrer, Hydroingenieur, Schweisser, Frau des Governors (mit dem Merken mongolischer Namen habe ich immer noch Mühe).Die Buuz werden gedämpft. Jegliche Gerichte sowie auch der Tee wird in diesem „Vok“ gekocht.Mein erster Versuch eines Buuz‘s. Die Mädchen konnten sich vor Lachen kaum erholen.


Am Sonntag hiess es für mich dann zurück nach UB zu fahren. Ich hoffte natürlich auf einen Microbus, um diese Erlebnis auch mal zu haben und so sah dann meine Rückreise aus:

10.00 Uhr: Wir kommen mit dem Jeep in Arwajcheer an. Turkhuu findet kein Privatauto, das nach UB fährt, aber einen Microbus. Um 15.00 oder 16.00 sollte es los gehen. Turkhuu schlägt ein Hotelzimmer zum Warten vor. Ich lehne ab und setzte mich in die Lobby eines Hotels und lese. Ich soll kurz vor der Abfahrt hier abgeholt werden.

11.30 Uhr: Thurkuu taucht wieder auf. Er ist sich nicht so sicher, ob sie mich wirklich abholen werden und schlägt vor, dass ich im Minibus warte. Ich sitze also im Minibus, der dank der Sonne etwas wärmer als die Hotellobby war und beende mein Buch.

13.00 Uhr: Ein Typ steigt auf der Fahrerseite ein und bedeute mir auszusteigen, er wolle etwas essen gehen und ich könne in einem anderen Auto warten. Ich will meinen Rucksack mitnehmen, aber er winkt ab. Kaum ist er weg, wird mir dann schon etwas flau, da meine ganze Kameraausrüstung im Rucksack ist.

14.30 Uhr: Der Minibus ist wieder zurück, mein Rucksack noch drin, mein Buch zu Ende. Aber es soll ja bald los gehen.

15.00 Uhr: Ein anderer Fahrer steigt ein. Wir fahren zu einer Tankstelle etwas ausserhalb der Stadt. Es geht also bald los. Danach fahren wir in die östliche Gersiedlung. Vor einem Tor hupt der Fahrer, drei junge Mongolinnen mit einem kleinen Kind steigen zu. Zwei der Frauen steigen dann aber bald darauf wieder aus. Es geht in den Westen. Der Fahrer sucht irgendwas wahrscheinlich eine Adresse. Er hupt vor einem Bretterzaun. Eine Frau kommt raus, sie will nicht nach UB. Also weiter. Wieder hupen, nach einigen Minuten kommen drei Menschen mit einer grossen Tasche. Eine Frau steigt zu. Als wir abfahren wirft der Mann eine Flüssigkeit aus einer Kelle hinter uns her. Gute Reise. Es geht wider zurück an den Sammelplatz. Wir warten.

17.30 Uhr: Ein dritter Fahrer steigt zu. Es geht wieder in die Gersiedlungen hinaus. Wir hupen vor verschiedenen Toren, aber niemand kommt. Also wieder zurück und wieder warten.

19.00 Uhr: Der erste Fahrer versucht sein Glück. Wir klappern jene Orte ab, wo niemand da war. Manchmal steigt jmd. zu. Das Gepäck wird einfach mal auf die Sitze gelegt. Im Moment hat es noch genug Platz. Langsam begreife ich das Vorgehen. Man meldet sich am Sammelplatz, sagt wo man ungefähr wohnt, geht dann heim oder eben nicht (was dann das wiederholte anfahren jener Orte zur Ursache hat) und wartet bis man abgeholt wird.

20.30 Uhr: Wir kommen wieder mal zum Sammelplatz. Die Fahrer laden das Gepäck aus. Bauen die vordere Sitzreihe um, so dass sie nun auch in Fahrtrichtung schaut. Ich steige aus, will bei meinem Gepäck bleiben. Der eine Fahrer will, dass ich einsteige, ein anderer meint ich könne auch hier warten. Ich warte also und der dritte Fahrer bringt uns ein Dose Bier.

21:30 Uhr: Sie waren wieder mal erfolgreich; es sitzen zwei weitere Personen im Bus. Ich muss wieder einsteigen, das Gepäck bleibt zurück (zu meiner Beruhigung nicht nur meines). Wir fahren wieder mal in die Gegend in der wir schon um 15.00 Uhr waren. Es steigt wieder jmd. zu. Dann geht es wieder zu jener Tankstelle. Dort steht ein anderer Microbus. Es wird voll getankt und als wir los fahren geht es wieder in die Stadt (zum Gepäck?). Nein, nur bis zu einer Bank, wo sich zwei Frauen verabschieden. Dann wieder zurück zur Tankstelle. Ein Typ (er scheint der Organisator zu sein), sammelt das Fahrgeld ein. Bei mir versuchte er wieder mal mich übers Ohr zu hauen. Er zeigt einen 10‘000er Schein und zwei Finger. Ich gebe ihm die MNT 13‘000 und er ist zum Glück zufrieden. Aus dem anderen Bus steigen nun noch andere Fahrgäste, die sich zu uns drängen. Wir sitzen nun zu viert in einer Reihe. Ich habe einen Fensterplatz und neben mir sitzt ein gut gebauter Mongole. Ja, es ist eng. Endlich geht es los, die zwei Microbusse fahren dicht hintereinander her. Wo ist wohl mein Gepäck, aber die anderen machen sich keine Sorgen, also wieso sich Gedanken machen.

22.30 Uhr: Wir erreichen die Polizeistelle ausserhalb von Arwajcheer. Alle Fahrer diskutieren mit den Polizisten. Plötzlich steigt bei unserem Büschen ein Fahrer ein, es geht nochmals zurück in die Stadt. Nochmals wer der mit will. Jetzt sind wir aber wirklich voll. Und tatsächlich es geht endlich los. Doch schon nach ca. 5km halten wir schon wieder. Unsere Bus fährt hinter den anderen, die Hecktüre des vorderen Busses wird geöffnet, das darin verstaute Gepäck (inklusive meinen Rucksack) auf den Dachträger gepackt (das hätten wohl die Polizisten nicht erlaubt), eine Bank zusätzlich wird frei, aber das ändert in meinen Bus nichts an dem Platzverhältnis.

bis 01:30 Uhr: Die Busse rasen hintereinander durch die Nacht. Ich versuche irgendwie zu schlafen. Da man so eng sitzt, wird man nicht so stark herumgeschleudert. Der Fahrer hat wieder mal nur eine Kassette und es wieder holen sich die drei immer gleichen Lieder. Der Bus ist viel zu stark geheizt, aber der Wasserdampf, der die Scheiben beschlägt, gefriert schon zu Eis. Meine NorthFace Jacke klebt am Fenster. Ich erwache wieder einmal als wir an der gleichen Raststätte wie beim letzten Mal halten. Einer der Fahrer deutet mir an ich solle reinkommen. Ich bekomme Sutezä, die Mongolen essen ihre berühmte Fleisch-Fett-Suppe. Ich habe wirklich keine Lust auf Essen um diese Zeit, obwohl ich seit dem Morgenessen nur einen Sack Chips und Schokolade gegessen habe. Dann geht es zum Glück weiter.

bis 7.30 Uhr: Ich erwache ab und zu. Manchmal fährt der Bus, manchmal steht er. Keine Ahnung, ob der Fahrer sich ein Nickerchen gönnt oder ob die anderen einen Platten haben. Langsam wird es draussen wieder hell. UB ist immer noch nicht in Sicht, also weiterschlafen. Mein Hinter schmerzt in der Zwischenzeit, denn eine richtige Stellungsänderung ist nicht wirklich möglich. Dann endlich, den Strassenposten von UB. Bei der nächsten Tankstelle wird getankt, die Passagiere auf die zwei Busse umgeteilt, das Gepäck den richtigen Passagieren zu geteilt und los geht es, jeden Passagier nach Hause zu fahren. Ich habe das Pech am anderen Ende der Stadt zu wohnen.

9:00 Uhr: Ich sitze mit der letzten Passagierin alleine im Bus. Die drei Fahrer sind mit ein paar Paketen in einem Hauseingang verschwunden. Das kann ja dauern. Die Mongolin quatscht mich auf Mongolisch an und bietet mir von ihren Gebäcken an. Wir wechseln dann ein paar Worte auf Englisch, bis die Fahrer sich endlich wieder zu uns bemühen.

9:45 Uhr: Endlich öffne ich meine Haustüre. Nach einer langen, warmen Dusche mache ich mich dann auf ins Büro, um weiter an meinem Bericht zu schreiben.