27.11.2006

Letzter Ausflug aufs Land


Die vier Ger in der Winterlandschaft: wir übernachteten in der zweiten von links.

Minus 28°C - Terelj - Winterlandschaft - Tschingis Khan

Minus 27°CLangsam aber sicher erreichen uns hier in Ulaanbaatar wirklich eisige Temperaturen: heute Morgen hat sich mein Wunsch erfüllt: -28°C!
Ich durfte es also erleben, was es heisst, sehr kalt zu sein. Zu meiner Ernüchterung füllte es sich aber gar nicht so kalt an (aber ich war ja auch warm angezogen). Beim Einatmen gefrieren einem die Nasenhaare, aber dankt der niedrigen Luftfeuchtigkeit ist die einigermassen erträglich Kälte erträglich. Zu dem schmilzt der Schnee dankt diesen Temperaturen kaum und verwandelt sich nicht wie in Zürich in eine matschige, dreckige Brühe.


Schnee auf dem Sukhbaatar Platz: das neue Tschingis Khan Denkmal vor dem Parlamentsgebäude ist fast fertig.
Warm eingepackte Mongolen vor dem Sukhbaatar Denkmal.
Auch den Autos ist es langsam aber sicher zu kalt.



Dieses Wochenende waren Rebekka, Stefan und ich zum letzten Mal auf dem Land. Auf dem zum Sukhbaatar Platz, wo wir uns kurz vor Mittag trafen, schneite es leicht. Der Schnee glitzerte und funkelte und die Strassen und Plätze waren mit einer ca. 5cm dicken Schneeschicht bedeckt. Da ich zu früh dran war nutzte ich die Chance den verschneiten Sukhbaatar Platz zu fotografieren, was sich als nicht so einfach herausstellte, da gewisse Platten des Platzes durch den Schnee recht glitschig waren. Ich schaffte es nach einigen Balanceakten dann doch meine Fotos zu schiessen.

Unser Taxi nach Terelj ("Teriltsch", dem National Park in dem ich an meinem ersten Wochenende schon war) war erstaunlicherweise pünktlich. Wir zwängten uns zu dritt auf die Rückbank, denn vorne neben dem Fahrer sass Saraa, die in Terelj als Nebenerwerb eine Ger für Touristen führt. Das Auto war eine richtige Klapperkiste und wir kamen nur sehr langsam voran, aber es war uns irgendwie egal, so konnten wir die schöne Schneelandschaft geniessen und als wir etwas aus Ulaanbaatar hinaus waren, war der Himmel zwar immer noch bedeckt, aber wenigstens mit weissen Wolken. Nach ca. einstündiger Fahrt, als wir von der Hauptstrasse abbogen, sagte der Fahrer plötzlich: "Tschingi Hahn" (das K in Tschingis Khan, wird nicht wirklich ausgesprochen) und zeigte nach vorne. Und tatsächlich da stand er... Silbern und riesig tauchte er über einem Hügel auf, in the middle of nowhere - eine Statue ca. 50m hoch, noch im Bau, aber schon wieder am rosten. Im Sockel der Statue sollen noch Restaurants und Bars entstehen. Die spinnen die Mongolen...


Winterlandschaft: etwaige Sicht Tschingis Kahns.

Tschingis Khan Denkmal: die Pfeiler rosten schon wieder.
Beim Schlachten der Kuh: die Hunde verspeisen, was die Menschen ihnen zugestehen, z.B. Mageninnenhaut.



Nach einer weiteren Stunde durch tiefverschneite Landschaft, kamen wir an einen Hügel in dessen Schutz vier Ger und dahinter ein Unterstand für Vieh aufgestellt waren. Etwas weiter entfernt waren alle Bewohner damit beschäftigt eine Kuh zu schlachten. Die Frauen entleerten den Darm und mussten dazu immer wieder die Hunde verscheuchen, die Männer trennten die Rippen von der Wirbelsäule und schnitten das Fleisch zu recht. Es war wirklich eindrücklich.
Nach diesem Biologieunterricht bezogen wir unsere Ger, bekam Tee und machten uns dann auf für einen Spaziergang. Der Fluss in der Nähe war gefroren, aber wir wussten nicht, ob das Eis uns auch wirklich tragen würde, denn an einigen Stellen war das Wasser noch eisfrei. Wir tasten uns langsam vor und schafften es wirklich hinüber. Später sahen wir dann einen Reiter und Kühe die auch über das Eis liefen, also völlig ungefährlich. Wir spazierten den Fluss hinauf, schlitterten über das Eis, bestaunten die Eiskristalle und kehrten dann etwas gefroren in unsere Ger zurück.


Der halb zu gefrorene Fluss - am nächsten Tag hatte es auch hier eine dünne Eisschicht.
Blick vom nahen Hügel auf den Fluss.
Eiskristalle auf dem Fluss.



Leider war diese trotz rauchendem Kamin nicht wirklich warm und wurde auch dies auch später nicht wirklich. Saraa versuchte den Ofen mit Kohle zu heizen, doch irgendwie glühte diese Kohle nicht wirklich (schlechte Qualität), aber auch beim Heizen mit Holz drang die Wärme nicht bis an die Wand der Ger. Wir sassen deshalb im Kreis um den Ofen, um uns zu wärmen. Nach einem Abendessen (mit frischem Fleisch) spielten wir bei Kerzenschein Karten und heizten den Ofen mit Kohle nochmals richtig ein bevor wir uns im Schlafsack verkrochen.
Die Nacht war trotz bis oben zugezurrtem Schlafsack, Cashmere Kappe und dem Mongolen der mitten in der Nacht immer wieder kam und unseren Ofen einheizte eher an der Grenze... Wir waren auf jeden Fall froh, als wir uns am nächsten Morgen wieder direkt am Ofen wärmen konnten. Nach einem Frühstück (gefrorene Tomatenscheiben, Ei und Brot) erkundeten wir die Landschaft noch Flussabwärts.
Ach ja, da gibt's ja noch die Story eines jungen Hündchens zu erzählen, das von Rebekka sofort in Herz geschlossen wurde. Es konnte einem ja auch Leid tun, wie es herzzerreissend winselnd auf drei Beinen im Schnee stand, so klein und hilflos. Das Welpen wurde von einer anderen Schweizerin, die oft hierher kommt um zu reiten, vor ein paar Wochen in Ulaanbaatar auf der Strasse gefunden und nach Terelj gebracht. Auf jeden Fall hatte auch das Hündchen uns ins Herz geschlossen und wollte unbedingt auf unserem Spaziergang dabei sein. Noch bevor wir den Fluss richtig erreicht hatten, begann es wieder zu winseln und wimmern, was Rebekka dazu bewog es auf dem weiteren Spaziergang auf dem Arm zu tragen.


Am zweiten Tag auf dem Spaziergang.
Das arme Hündchen auf drei Beinen.
Drei fast verfrorene Schweizer.



Nun ja, meine letzte Woche im Büro ist nun angebrochen. Mit Munkh habe ich heute Morgen meine Datenbank nochmals angeschaut und werde nun noch einige Verbesserungen anbringen. Dann heisst es noch etwas Souvenirshopping machen und mich von allen verabschieden, um schon bald die Tupolev zu besteigen, welche mich bald heim in die anscheinend warme Schweiz bringen wird...

Bis bald, raphi

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ciao Räpheli

Muesch di ez gar nöd zfest a die tüüfe temperature gwöhne, susch muesch nachher da ide Shorts umelaufe :)
Bis bald!!
greeZH

s1m0n

Anonym hat gesagt…

Salut Raphi

dini bilder sind wider mal atemberaubend! Vile herzliche Dank für dini charta und diar ganz schöni letschi idrück i de Mongolei!!!

see you soon!