27.07.2006

Schon zwei Wochen in UB


Arbeiten - Gandan Tempel - raus aus der Stadt

Alter Mongloe auf dem Tempelgelände: Er war sehr stolz, dass er im Militär war und zeigt immer wieder auf seine Anstecker.
Jetzt bin ich schon über 14 Tage in Ulaanbaatar und es ist Zeit sich wieder mal meinem Blog zu widmen. Leider ist das mit dem Internet nicht ganz so einfach: ich arbeite schliesslich auf dem Schweizer Konsulat und die Internetverbindung ist hinter einer Firewall versteckt, so dass mein Zugriff auf meine Hompage nicht funktioniert. Jetzt ist das Problem gelöst und ich kann sogar eine VPN Verbindung an die ETH zur Recherche herstellen. Doch alles der Reihe nach.

Im Büro habe ich mich gut eingelebt. Leider war Munkhoo, schon am zweiten Tag krankheitshalber schon nicht mehr im Büro erschienen, so dass ich schon das erste Mal etwas verloren war. Mir war einfach nicht ganz klar, was sie unter einer „Desertification Database“ versteht oder was sie dann später damit anfangen will. Ich war also die ganze erste Woche damit allein gestellt und als sie schliesslich am letzten Montag wieder erschien und ich ihr meinen Vorschlag präsentierte, war es natürlich schon viel zu weit gedacht. Sie will, dass ich ihr einige gute Beispiel aus ähnlichen Ländern wie der Mongolei suche, also wie bekämpfen die Nordchinesen die fortschreitende Wüstenbildung. Ich google also in erste Linie im Internet herum und versuche was gescheites zu finden, was gar nicht so einfach ist. Da der IT-Verantwortliche in den Ferien war, konnte ich nicht mal auf die Datenbanken der ETH zurückgreifen. Das ist jetzt auch gelöst: es gibt eine Internetleitung die nicht so stark gesichert ist, so dass ich auf das ETH-Netz zugreifen kann.

So genug gebrabbelt über die Arbeit, denn die ist nun wirklich nicht gerade weltbewegend. Viel interessanter ist das Mittagessen. Meistens gehen wir in eine nahegelegene Mensa. Da gibt es eine Auswahl von etwas 10 Menüs die im Schnitt 1000 Tugrik (= CHF 1.10) kosten. Alles mongolische Koste, aber durch und durch geniessbar (es gibt im Notfall auch mal Spaghettis). Für 3500 Tugrik kann man sich aber auch bei einem Chinesen überessen.

Ach ja und ich bin zum Taxibenützer geworden. Ins Büro laufen das war mal. Wie schon erwähnt ist hier jedes Auto ein Taxi und ich fahre jeweils jeden Morgen für CHF 0.50 ins Büro (ausser der Taxifahrer versucht mich hinters Licht zu führen, das erste Mal wollte er 1000 Tugrik).

Migjed Janraisig, Tempel mit der grossen Statue, die als Symbol der ungabhängikeit der Mongolei steht.
Eine weiter mongolische Eigenschaft musste ich beim Schlangenstehen feststellen: als ich mir zum Beispiel eine SIM Karte fürs Natel organisieren wollte und mich brav hinter der Linie, die so offensichtlich auf dem Boden aufgemalt ist, positioniert, drängten die Mongolen einfach von Seite, von welcher man eigentlich den Schalter verlässt, in die Lücke. Tja, schlussendlich bekam ich sie dann doch (+976 99 709 701 falls mir jmd. mal ein SMS zukommen lassen will).

Letztes Wochenende besuchte ich dann mit zwei Schweizern (Andi, der ebenfalls ein Praktikum beim SDC macht, und Sara, sie arbeitet bei einer NGO) das Gandan Kloster. Als Foreigner mussten wir 2500 Tugrik eintritt bezahlen, aber es hat sich gelohnt. Wir bestaunten den 26.5 Meter hohen Megdshid Dshanrajsig (es ist jedoch nur noch eine Kopie der original Statue, welche von den Russen verschleppt und zu Munition verarbeitet wurde). Als Andi von der Statue ein Foto schoss, kam sofort ein Aufpasser und verlanget 5 Dollars, die Mongolen wissen genau wie man Touristen ausnimmt. Auf dem Tempelgelände stehen sonst noch verschieden buddhistische Tempel. In einem konnte wir junge Mönche beobachten, wie sie mit ihren Handyklingeltönen spielten!

Am Dienstag hatte ich die Chance der dreckigen, staubigen Luft der Stadt für wenigstens eine Stunde zu entfliehen. Der Hashers Club (Hashers sind so was wie eine Studentenverbindung die ein mal pro Woche in die nahen Berge fahren dort entweder wandern oder laufen gehen und dann gemeinsam noch etwas essen und trinken. Hashers gibt es anscheinend auf der ganzen Welt nur sind in anderen Ländern die Regeln etwas anders ausgelegt: oft ist es eine Schnitzeljagd und wer verliert muss zwei Liter Bier trinken oder ähnlich). Aber hier sind Kinder und ältere Leute genau so dabei und es geht in erster Linie darum, sich zu bewegen und in die Natur hinaus zu kommen. Auch das schlechte Wetter konnte uns nicht von einem einstündigen Spaziergang abhalten. Wölfe oder sonstige Tiere, von denen es in dieser Gegend nur so wimmeln soll, sahen wir leider keine.

Aussicht von etwa ausserhalb von UB.
Ach ja da gibt es ja noch eine andere Geschichte wie die Mongolen arme Schweizer Studenten ausnehmen. Als ich am Sonntag durch die Strassen wandelte, kam ich an einer Gruppe Schuhputzer vorbei und weil meine Schuhe schon recht verschmutzt waren, hielten sie mich an. Ich versuchte irgendwie herauszufinden wie viel mich diesen Spass kosten wird und der eine meinte: „Hundred“ zeigte auf den eine Schuh, „Hundred“ und zeigte auf den anderen, also 200 Tugrik. Nach dem er mir meine Schuhe gefettet und poliert hatte, verlangte er dann 6500. Ich versuchte natürlich zu verhandeln, doch er rechnete vor: „Tausend, tausend, tausend...“ und zeigte dabei auf jedes Utensil, das er benutzt hatte. Auf 5000 konnte ich ihn dann herunterhandeln, ich hatte sonst nur noch 300 in kleinen Noten, also keine Chance, dass er mir da noch was rausgeben würde. Tja, so kanns gehen.

14.07.2006

Erste Eindrücke


Ulaanbatar - Mongolisches Essen - Übernachten in der Ger

National Historische Mueseum
Nach langem mühseligem Flug (in der Tupolev hat man das Knie am vorderen Stuhl) und sieben Stunden Aufenthalt auf dem stickigen, warmen Flughafen von Moskau bin ich zu früher Morgenstunde von Julie (ihr komplizierter Name kann ich mir immer noch nicht merken) und ihrem Freund abgeholt worden. Mit Ausruhen in meiner grosszügigen Einzimmer Wohnung mit Küche und Bad wurde nichts.
Ein solcher Pelzhut ist noch überflüssig; den Tag hindurch ist es mind. 30°.
Die zwei jungen Mongolen wollten mir sofort Ulaanbaatar zeigen, schliesslich war der Fahrer bezahlt. Geld wechseln schien anfangs auf Grund des Naadam Festivals unmöglich (Julie schaffte es dann doch noch). Also ging es sofort wieder los ins National Historische Museum. Angefangen bei der Steinzeit bis in die Moderne ist da die ganze mongolische Geschichte erzählt (für jene die es noch nicht wissen im 13. Jh standen die Mongolen kurz vor Wien).

Eigentlich wollten sie mich noch an Naadam - Pferde-Rennen entführen, doch der Museumsbesuch dauerte zu lange und wir waren schliesslich bei Julies Eltern zum Mittagessen eingeladen.

Ich wurde also herzlich etwas ausserhalb von Ulaanbaatar empfangen und mir wurde gleich eine mongolische Suppe (Hammelfleisch, Glasnudeln, Kartoffeln) serviert. Dazu gab es Fleischteigtaschen, die leider im Abgang etwas nach Brennsprit schmeckten.

In japanischer Manier vor dem Turtle Rock.
Und dann ging es, nach dem ich mit Julies Vater noch den Wrestlingfinal im TV geschaut hatte, er mich auf halb Russisch halb Mongolisch über meine Familie ausgefragt und seine Frau mir das Familienalbum gezeigt hatte, weiter an den Tuul Gol (Tuul Fluss), wo die Grosseltern in zwei Gers (zu Deutsch Jurte) hausen. Wir quetschten uns also zu fünft plus Fahrer ins Auto. Gurten kennen sie in der Mongolei sowieso nicht und wir holperten über die schlechten Strassen in rasanter Fahrt aus Ulaanbaatar.

Wer nun denkt, das sei alles irrt sich schwer. Kurz nach der Ankunft ging es gleich per Auto weiter nach Terelj. Eigentlich wollten wir nicht bis in die Ortschaft hinein sondern nur bis zum Turtle Rock. Aber anscheinend wusste weder der Fahere noch meine beiden Begleiter, wo sich dieser befindet und so wurde in Terelj nachgefragt und gewendet.

Wieder zurück am Tuul Gol gabs dann richtiges mongolisches Abendessen (siehe Foto oben): Hammel am Knochen mit Reis und etwas Gemüse. Und da ich das ja eventuell nicht mochte, bekam ich einen Teller in dem schon etwas Fleisch abgeschabt war. Richtig wird das Fleisch einfach abgebissen oder mit einem Messer vom Knochen geschnitten.

Mein Schlafsack trotzte der Kälte in der Nacht sehr gut und ich schlug die mir angebotene Kamelhaardecke zurück. Julies Vater traute aber meinem Schlafsack nicht und deckte mich im Morgengrauen als er aufstand wieder damit zu.

Das erste mongolische Frühstück war dann doch etwas seltsam. Das ganze sah zwar auf den ersten Blick ganz europäisch aus: ein Schüsselchen mit etwas wässriger Milch aber anstatt gezuckerten Cornflackes schwammen Fleischstücke darin. In einem zweiten Schüsselchen gabs dann noch aufgeweichte Cockies.

Gut gestärkt war es dann Zeit für einen Ausritt. Zum Glück wurde das Pferd die ganze Zeit von einem Nomadenknaben geführt.

Die Rückreise nach Ulaanbaatar war dann noch eine Sache für sich. Wir fuhren diesmal mit dem Lienenbus und der war dicht gedrängt. Bezahlen musste man deshalb beim Aussteigen und auch nur jene Leute die vorne ausstiegen. Tja und dann bemerkte ich, dass die Mongolen anscheinend keine Ahnung haben wo genau sie sich nun befinde; wir stiegen zwei Stationen zu früh aus. Aber das macht hier ja nichts denn jedes Privatauto ist auch ein Taxi.

Nach dem ich ein ruhiges Wochenende in meiner Wohnung verbracht habe, okay ich streifte natürlich durch Ulaanbaatar und versuchte meinen zukünftigen Arbeitsort ausfindig zu machen, war ich am Montagmorgen zum ersten Mal im Büro erschienen und bekam mein Schreibtisch zu geteilt. Munkhjargal (kurz Munkh, sprich Munko), meine Betreuerin oder Chefin (das hat sie aber nicht gern, wenn sie so bezeichnet wird) hat mich kurz eingeführt, was ich machen soll: ich soll möglichst viel Material über Desertifikation aus der ganzen Welt sammeln und das ganze sortieren und aufbereiten, damit sie und das SDC dann darauf zurückgreifen können.

Tja aber zuerst darf ich mich mal noch etwas in das SDC Material einlesen, was ich vor bis fünf Minuten auch getan habe.

11.07.2006

Noch zu Hause



Packen - Unterschreiben - Einchecken

Noch bin ich zu Hause, der erste Eintrag soll aber doch schon Tatsache werden.

Heute Morgen beim Packen kam mir der grandiosen Einfall, mal abzuklären, wie das mit dem Einchecken am Vorabend ablaufen soll. Surprise, surprise: Aeroflott --> kein Vorabend Checking!
Tja, das heisst nun halt morgen doch früher aufzustehen und alles dann zu erledigen.

Und dann war da noch das Problem mit der Vorauszahlung der ETH. Irgendwie hat wohl die Schweizer Post etwas versagt, mein Brief ist nie bei der Praktikumsstelle angekommen. Heute morgen also nochmals an die ETH, unterschreiben und dann endlich fertig packen. Es hat alles platz, puhhh....

Morgen geht‘s also los. Das nächste Mal hörst du von mir aus der Mongolei!