
Wintereinbruch - Hauseinweihungsparty - SDC stellt sich vor
Der Winter ist nun definitiv angebrochen: eisiger Wind bläst mir jeweils am Morgen auf dem Weg ins Büro ins Gesicht, die Pfützen sind zu Eisflächen erstarrt und der Atem ist in Form von Dunst sichtbar. Ich gehe trotzdem immer noch zu Fuss, warm eingepackt, was sich dann im Büro jeweils als etwas mühsam herausstellt, weil es jämmerlich überheizt ist. Wir öffnen dann halt jeweils einfach das Fenster, bis es uns wieder zu kalt wird. Ja, mit Wärme- und Energiesparen haben es die Mongolen nicht so am Hut. Also richtig Winter ist es natürlich noch immer nicht, aber für Schweizerverhältnisse schon recht kalt für diese Jahreszeit.
Am Freitag und Samstag organisierte das Aussenministerium eine Art Ausstellung aller Botschaften und Entwicklungsorganisationen auf dem Sukhbaatar Platz. Das SDC war natürlich auch anwesend. Rebekka, Stefan und ich hatten die Aufgabe, als schweizerische lebende Ausstellungsobjekte allfällige Fragen über die Schweiz zu beantworten. Nur kamen während den ganzen zwei Tage keine Fragen über die Schweiz, was ja eigentlich auch verwunderte, wenn man bedenkt, dass die wenigsten Mongolen Englisch können und sowieso mehr mit dem Sammeln der vielen Prospekte beschäftigt waren. Ob sie die Prospekte zu Hause lesen werden oder eher zum Anfeuern benutzen, bleibt ihr Geheimnis.
Das SDC war so weit wir das beurteilen konnten (die Plakate in den Zelten waren natürlich nur auf Mongolisch) die einzige Organisation, die ihre Entwicklungsprojekte ausstellte. Einige Beispiele was man in den anderen Zelten und Gers besichtigen konnte: Türkei: Kebab (immerhin war es dort dank dem Ofen herrlich warm); Polen: Bilder zum Verkaufen; Vietnam: Schmuck, wahrscheinlich in Vietnam hergestellt; Deutschland: Infos zu Schengen Visa (es hatte eine riesige Schlange vor diesem Zelt) etc.
Wir hatten das Vergnügen an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. So sassen wir kurz vor elf in der Oper und lauschten den Tönen eines Orchesters. Danach gab es die offizielle Eröffnungsrede (natürlich auf Mongolisch, ausser der Rede des UNDP Vertreters). Dann waren Gesangseinlagen angesagt, so dass wir in den Genuss mongolischen Gesangs kamen. Bis auf eine Sängerin wurden alle vom Orchester begleitet, was sich dann angesichts der Technik auch als besser geeignet herausstellte. Denn kaum ertönten die ersten Takte aus den Boxen, begann die CD zu springen und setzte zu allem Übel dann auch noch ganz aus. Während das Orchester versuchte in das Lied einzusteigen, begann dann das Mikrofon zu scherbeln. Das Orchester rettet dann den ganzen Song. Bemerkenswert war jedoch, dass sich die Sängerin überhaupt nicht aus dem Takt bringen liess. Es war also ganz amüsant.
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| Die Schweizer Ger: viele Mongolen dachten, es würden hier Medikamente verteilt | Militärparade. | Musikalische Einlage mit traditionellen mongolischen Instrumenten (u.a. Pferdekopf-geige) |
Am Freitagabend wurde ich an eine House Warming Party einer SDC Angestellten eingeladen. Der ganze SDC Staff fuhr zusammen in einem Toyotabus gequetscht durch das allabendliche Hupkonzert und das Verkehrschaos in den Weste von Ulaanbaatar. In der Wohnung fanden wir einen reichlich gedeckten Tisch mit verschiedenen Salaten (Teigwarensalat, Eiersalat, Katoffelsalat). Es gab Sutezä und Arz (das ist ein Getränk aus etwas vergorenem Joghurt, welches heiss serviert wird. Bähh..., aber man kann sich daran gewöhnen). Ich ass sehr viel Salat und wunderte mich, weshalb die anderen nur ganz wenig zugriffen. Für Mongolen eher ungewöhnlich. Dann stellte sich heraus, dass das nur die Vorspeise war. Es gab für jeden noch einen Pouletschenkel, dazu Kartoffelstock, Reis und Karottensalat. Aber im Überessen bin ich in der Zwischenzeit schon fast Weltmeister. Nach dem Essen und dem Herumreichen der Familienfotos, stellte sich die Frage, wer zuerst singen soll. Ich konnte mich nach den ersten mongolischen Liedern natürlich nicht mehr drücken und stimmte dann „Dr Eskimo“ an. Zum Glück bekam ich von Markus Dubach (Honorarkonsul und SDC Chef in der Mongolei) tatkräftige Unterstützung.
Ach ja, was es auch noch zu erwähne gibt, ist dass ich mich im Moment fast nur noch von Kartoffeln ernähre, wenn ich zu Hause esse. Das SDC unterstütz ein Projekt im Westen der Mongolei, wo Kartoffeln angebaut werden und als Dankeschön bekam jeder Mitarbeiter einen Sack Kartoffeln, die Praktikanten zum Glück nur einen halben, denn es handelt sich um einen dieser grossen Jutensäcke. Also viel zu viel für eine Person. Falls mir jemand noch Ideen geben kann, was man mit Kartoffeln ausser Gschwelti, Rösti, Kartoffelsuppe, Gratin (dafür habe ich noch immer keine Form gefunden) und Kartoffelstock noch alles machen kann, bin ich sehr froh. Der Sack scheint unerschöpflich zu sein.




















