27.09.2006

Back to Work


Gemüsegarten in Mazar bag im Turgrug sum Uvurkhangai aimak: Möglich dank dem Bewässerungsprojekt.

Meli adee - neue Arbeit - Trip in den Uvurkhangai aimak

Lange ist‘s her seit ich wieder einmal Zeit zum Bloggen gefunden habe. Dabei gäbe es so viel zu erzählen, was ich nun nachholen werde. Auch möchte ich mich mal bei allen bedanken, die mir immer wieder Mails senden. Ich hoffe ihr seid nicht böse, wenn ich nicht allen eine Antwort schreibe.

Als erstes war da die letzte Woche mit Meli, die wir in UB verbracht haben. Es war natürlich Shopping von Souvenirs für zu Hause angesagt und so verbrachten wir unsere Zeit in den verschiedensten Einkaufshäuser und auf dem Schwarzmarkt. In einer uns empfohlenen Cashmeerfabrik kaufte ich mir Handschuhe und einen Rollkragenpullover. Ich glaube, ich bin langsam aber sicher für den Winter eingedeckt. Meli kaufte etliche Souvenirs (die sie sicher schon alle in der Schweiz verteilt hat), so dass sie dann beim Einchecken Übergewicht hatte und 99 US$ dafür bezahlen musste. Tja, anscheinend nimmt es Airoflot seit neustem genau mit dem Gewicht, ich hatte ja auch 6 kg zu viel beim Hinflug. Auf dem Schwarzmarkt liess ich mir noch die Haare etwas stutzen. Die Frisöse kürzte einfach meine alte Frisur und Meli versuchte sie dazu zu bewegen die Ohren frei und hinten noch etwas kürzer zu schneiden. So richtig viel Haar habe ich dann nicht gelassen, aber was will man schon für MNT 2‘500. Wir kochten noch einmal richtig gute Pasta mit dem nun auf verschiedenen Märkten angebotene Gemüse aus der Mongolei, gingen nochmals richtig fein mongolisch auswärts essen und genossen die Zeit zu zweit.
Ja und dann war Meli weg und ich wieder alleine in meinen vier Wänden. Anfangs war es schon wieder komisch, vor allem am Morgen alleine zu frühstücken und einfach so alleine Zeit verbringen zu müssen. Aber zum Glück sind da ja noch all die anderen Schweizer, die mich in meinem Meli-Vermissungs-Stimmungstief sofort auffingen.


Gemüsemarkt in UB: hier werden Ware aus mongolischer Ernte angeboten.Stand auf dem Schwarzmarkt.Stoffangebot ebenfalls auf dem Schwarzmarkt.


Noch etwas zur Beruhigung für jene die glauben, ich könnte hier erfrieren: seit dem 15. September sind die Heizungen angestellt, welche von den zentralen Kohlekraftwerken gespeist werden. Ich kann keinen Einfluss auf die Temperatur nehmen und mir wurde versichert, dass die Wohnungen sehr gut geheizt werden. Zu dem soll bis Mitte November ungefähr das momentane Wetter anhalten: in der Nacht 8°C am Tag in der Sonne Pullover-Temperatur.

Am Montagmorgen ging es wieder los mit der Büroarbeit. Ich hatte mir fest vorgenommen, Munkh mitzuteilen, dass ich neben der Desertifikations Datenbank (DDB) noch etwas anderes erledigen wolle. Sie überraschte mich damit, dass ich mir selber überlegen solle, was ich neben der DDB noch tun könnte. Zum Glück gab mir Stefan den Hinweis, dass das SDC ein Bewässerungsprojekt unterstützt und dass er angefragt wurde, dort mitzuarbeiten, wie sonst hätte ich wissen sollen, was ich hier noch arbeiten könnte. So schlug ich dies Munkh vor und ich musste meine Terms of Reference anpassen: neben der Internetrecherche für die DDB soll ich nun also noch einen Report über die sozi-ökonomischen und umweltbezogenen Effekte des Projekts erstellen, des weiteren soll ich ihr etwas Computerunterricht in Word und Excel geben und mit ihr das Executive Summary of Environmental Impact Assessment neu schreiben, damit es für das DEZA Hauptquartier tauglich wird. Ich habe also wieder was neues zu tun.

Mit dem Bewässerungsprojekt ging es dann auch gleich los, denn der Verantwortliche der umsetzenden NGO wollte am letzten Freitag los, um das Projekt zu starten. Ach ja, vielleicht noch einige Worte zum Projekt. Das SDC unterstützte ein Projekt der JCS (Joint Christian Service), welches vor fünf Jahren ein 1981 erbautes Bewässerungssystem wieder aufbaute. Nun brach im letzten Winter der Damm und er wurde nur behelfsmässig repariert. Es gilt ihn also richtig zu flicken und im gleichen Zug soll er auch erhöht werden, damit mehr Land bewässert werden und mehr Familien davon profitieren können.
Ich telefoniert also mal mit dem Verantwortlichen, ob ich am Freitag mitkommen könne und er meinte ja, aber er wisse nicht, ob er dann schon gehen könne, denn er warte auf eine Geldzahlung des SDCs. Als ich das im SDC erzählt hatte, wurde sie sofort erledigt...
Der Lastwagen mit dem Baumaterial wurde dann trotzdem erst am Freitag geladen und wir, Turkhuu (Projektverantwortlicher JCS) ein Fahrer und ich, fuhren am Samstag hinterher. Diesmal hatte ich das Vergnügen in einem Toyota Jeep mitzufahren und wir kamen sehr schnell voran. In nur fünf Stunde waren wir am Ziel, aber leider fehlte vom Lastwagen, der im Aimak Zentrum hätte warten müssen, jede Spur. Wir übernachteten deshalb in einem etwas schäbigen Hotel und ich musste als Ausländer den doppelten Preis bezahlen.
Der Lastwagen erreichte Arwajcheer dann mitten in der Nacht und es stellt sich heraus, dass er erst am Samstag am späteren Nachmittag, also nach uns, losgefahren war. Dann ging es auf das Projektgelände, wo wir zuerst mal Arbeiter für das Entladen organisieren mussten. Wir zogen also im Sum Zentrum von einer Ger zu anderen und wurden überall herzlich empfangen (Turkhuu kennt die Leute vom früheren Projekt her) und bekamen immer gleich eine Schale Sutezä in die Hand gedrückt (in einer Ger gab es auch schon Vodka (um 11:30 Uhr!)). Alles ging flott und der Lastwagen wurde entladen und Turkhuu zeigte mir zusammen mit einem Landwirtschaftsstudent und Verantwortlichen einer Kommune, die das Feld neben weiteren Familien bewirtschaftet, die Bewässerungsanlage. Ich stellte meine Fragen für den Bericht, worauf der Typ in den Himmel schaute und mir etliche Zahlen zu Ernteerträgen, Profit und Effekte der Anlage nannte. Tja, wie ich diese Daten ETH-tauglich in einen Bericht bringen soll, weiss ich noch nicht.


Beim Entladen des Lastwagen.Das aus 70 Quellen gespeicherte Wasser. Im Vordergrund der Damm.In einem ebenfalls durch das Projekt wiederauf-gebauten Keller, lagern die geernteten Kartoffeln


Am nächsten Tag war dann das Organisieren von technischen Geräten für den Bau angesagt, was heisst, dass wir mal beim Aimak-Präsidenten vorsprachen und fragten, ob wir von Seiten der Regierung Unterstützung bekämen. So sassen wir am Nachmittag mit dem Präsidenten persönlich in unserem Jeep und klapperten die Möglichkeiten für einen Bagger und Lastwagen ab. Die Geräte der technischen Hochschule dienen nur dem Lernen für die Studenten (aber nicht für wirkliche Schwerarbeit), die Maschinen des Strassenbauamtes sind natürlich unentbehrlich, da selber im Gebrauch und jene des Militärs einfach nicht verfügbar. Was nun?
Wegen meiner Arbeit besuchten wir danach das statische Büro des Aimaks, wo ich Einblick in das statische Jahrbuch nehmen konnte. Wenigstens waren die Tabellentitel zum Teil auf Englisch angeschrieben, so dass ich mich etwas orientieren konnte. Das Problem war dann mehr das Kopieren: nicht das kein Kopiergerät aufgetrieben werden konnte, sonder dass es Papier für die Kopien gab.
Am nächsten Morgen wollte Turkhuu zuerst einmal meinen Rücktransport organisieren, doch für den mongolischen Fahrdienst waren wir zu früh dran. Wir gingen also wieder ins Regierungsgebäude und zu einem Freund von Turkhuu. Er verlangte mein Mobiletelefon unter dem Vorwand dem Fahrer anzurufen und gab es danach seinem Freund. Als ich ihn fragend anblickte, meint er: „He‘s talking with the military.“ Ich fragte dann nicht mehr weiter und konnte nur interpretieren. Auf jeden Fall meinte Turkhuu, er treffe sich später mit einem Vertreter des Militärs, um über einen Bagger und Laster zu sprechen... (es ist hier jedem seine eigene Interpretation überlassen, wie das nun funktioniert hat).
Auf jeden Fall war das auftreiben eines Microbuses (=Toyotabüschen in dem viel zu viele Passagiere sitzen) dann doch nicht so einfach, wie am Anfang angenommen. Nach ca. einer Stunde erfolglosem Fragen, fand Turkhuu dann für mich einen private-public transport. Darunter versteht man hier eine Mitfahrgelegenheit mit vielen anderen Passagieren in einem Privatauto (der Preis für das Benzin wird unter den Mitfahrern aufgeteilt). Ich müsse, halt noch zwei, drei Stunden warten, aber dann gehe es los.
Los ging es dann um halb drei, nachdem wir bei allen Mitreisenden zu Hause noch Gepäck abgeholt hatten. Von der Autoreise gibt es nicht viel zu erzählen, wir hatten einen Plattfuss (aber das ist ja normal da), rasteten bei irgendwelchen Häusern entlang der Strasse und assen Beefsteak (=Hamburger mit einem Spiegelei darüber), die Fahrt dauerte viel länger als angenommen (trotz Toyota Jeep, aber die Frau fuhr sehr langsam, so dass uns sogar auf der Piste normale PWs überholten), es holperte lange und als wir in UB ankamen, wurde die Fahrerin (ich hatte wohl die einzige Fahrerin erwischt, die ausserhalb von UB Auto fährt) durch einen Städter ersetzt der alle Passagiere vor die Haustüre fuhr (wir fuhren in UB wahrscheinlich schneller als während der ganzen Fahrt, obwohl die Strassen in UB oft nicht besser sind als auf der ganzen Reise).


Strasse in Arwajcheer (Aimag Zentrum).Das Regierungsgebäude im Aimak Zentrum.In diesem Restaurant (mittlere Gebäude) gab es auf der Reise Beefsteak


Seit heute bin ich also wieder im Büro und versuche das gesammelte Material zu sortieren und irgendwie in einen Text zu verpacken. Ich denke, Turkhuu wird wohl noch ein paar Mal für Fragen zur Verfügung stehen oder das eine oder andere Telefon ins Aimak-Zenter führen müssen.

Bis bald, raphi.

Keine Kommentare: