15.11.2006

670 Gramm Fleisch für 1900 Tugrik


Unsere ersten Buuz!

Büro - Kochkurs - Minus Temperaturen - Russ

Seit ich im Büro so richtig mit dem Schreiben meines Berichts über das Bewässerungssystem in Mazar bag beschäftigt bin, bekomme ich immer wieder andere Aufgaben. So durfte/musste ich meine Arbeit unterbrechen, um einen Kurzreport über das Projekt in Mazar bag zu schreiben. Darin sollte ich das Projekt kurz beschreiben, erklären, was das Projekt bewirkt hat und wer davon profitieren wird. Zu guter letzt sollte ich dann noch die Lessons learnt (dies werden immer stark hervorgehoben, da jedes Projekt den Anspruch hat, am meisten in Erfahrung gebracht zu haben und das beste sein zu wollen) schreiben, aber was schreibt man, wenn man während der Projektausführung gar nie richtig dabei war? Dazu bekam ich die Aufgabe über dasselbe Projekt ein Factsheet zu schreiben. Der Inhalt ist in etwa derselbe, aber er sollte einfach etwas interessanter klingen.
Ich habe also zum Glück immer wieder was zu tun und kann meine Absicht, wieder an der Desertifikations Datenbank weiterzuarbeiten, immer wieder hinauszögern, worüber ich eigentlich gar nicht traurig bin. Zu dem habe ich heute in Erfahrung gebracht, dass das Desertifikations Projekt evt. gar nicht durchgeführt werden kann, weil das DEZA gar nicht genug Geld zur Verfügung stellen wird. Mal schauen, was in diesem Fall meine Datenbank noch nützt.


Kioske auf dem Weg ins Büro: wie kalt es darin wohl sein muss?

Eine Schule auf dem Nachhauseweg im Abendlicht.
Eisfläche am Morgen auf dem Weg.


Letzten Samstag hatte ich dann für Stefan und mich einen Mongolisch Kochkurs organisiert. Eine Angestellt aus dem SDC, Davaa, brachte uns bei, wie man Buuz (Teigtaschen, die gedämpft werden) und Chuschur (die gleichen Teigtaschen, einfach etwas grösser und flach gedrückt im Öl frittiert) kocht.
Wir trafen uns am späteren Nachmittag vor dem Einkaufszentrum in der Nähe meiner Wohnung und Davaa zeigte uns, wie man mongolisch einkauft. Viel brauchten wir nicht. Das wichtigste ist natürlich das Fleisch... Wir kauften 670g tiefgefrorenes Beef für MNT 1900, richtige Buuz würde man jedoch mit Mutton mit extra viel Fett herstellen, aber das wollten wir uns schenken. Dann Zwiebeln, Mehl, Essiggurken und für den Sutezä: Milch und die Teemischung.
Ach ja und dann wurden wir doch noch Zeugen, wie es wohl kurz nach dem Zusammenbruch der UdSSR gewesen sein musste, als man für ein Produkt lange anstehen musste. Es gab Eier zum halben Preis und die Mongolen waren wie wild darauf und vor dem Tresen bildete sich eine lange Schlange. Die meisten gaben sich nicht mit einem Karton (30 Eier) zufrieden, nein es mussten schon mindestens drei solcher Kartons sein. Tja und nach einigem Überlegen kamen Stefan und ich zum Schluss, dass wir wohl auch von diesem Sonderangebot gebrauch machen müssen und kauften zusammen, ganz schweizerisch bescheiden, 20 Eier.
Bei mir Zuhause ging es dann also mit Kochen los. Während Stefan das Fleisch klein hacken musste, schnitt ich die Zwiebeln und Davaa mischte den Teig (einfach Mehl und Wasser). Das Fleisch wird dann mit den Zwiebeln gemixt, mit etwas Salz und Pfeffer gewürzt und dann mit etwas Wasser gemischt. Fertig ist die Füllung.
Aber das Schwierigste kommt erst noch, das Formen der Buuz. Unsere ersten Resultate sahen schon nicht gerade Top aus, aber es ging schnell besser. Die Buuz wurden dann im Steamer gedämpft, die Chuschurs fünf Minuten im Öl angebraten und schon sassen wir bei Essiggurken und Fleischtaschen am Tisch.


Das fein gehackte Fleisch.
Die ersten Versuche: es gibt viele verschiedene Varianten für Buuz.
Die fertigen Chuschurs.


Vom Wintereinbruch habe ich ja schon einmal in einem Blog gesprochen. Aber als ich aus Mazar bag zurück war, kam dann der wirkliche Kälteeinbruch. Über Tage war es morgens -16°C. Zum Glück ist es in den letzten Tagen wieder etwas wärmer geworden. Falls jmd. interessiert sein sollte, wie das Wetter in Ulaanbaatar aussieht und wie kalt es hier schon ist, hier ein Link. Die mongolischen Autofahrer versuchen sich auf verschiedene Weise vor dem morgendlichen Frostkratzen auf den Autoscheiben zu schützen: sie legen Leintücher über die Autoscheiben oder der eine oder andere opfert sogar seine Jacke dafür.
Eine andere Geschichte ist die Luftqualität, die im Winter noch einmal stark abnimmt, weil dann in jeder Ger ein Ofen, der mit Kohle geheizt wird, fast Tag und Nacht brennt. Wenn dann wenig Wind aufkommt und die Luft in UB zwischen den zwei Bergrücken gefangen ist, dann kommt man sich jeweils am Abend beim Verlassen des Büros wohl wie in London zur Zeit der Industrialisierung vor. Es riecht dann richtig fest nach verbrannter Kohle und ich verstehe nun die Mongolen, die dauernd auf den Boden spucken etwas besser; ich habe auch immer das Gefühl auf einem Stück Kohle herum zu kauen. Ne, also so schlimm ist es schon nicht, aber belegte Zähne, das gibt es schon. Dafür werden wir jeden Tag mit wunderbarem blauem Himmel entschädigt.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hej hej Raphi,
du bisch ja scho richtig am frühre, ich tuen echli mit dir mitfühle.
da häts geschter alleridngs stellewiis no über 20° gäh...
Bis glii wieder
Ruth

Anonym hat gesagt…

Hoi Raphi!
Wennd dänn wieder do bisch muesch üs dänn mol mongolisch bechoche :-)
Ich quäl mich grad a minere Semesterarbet ume, aber do gohts üs jo allne gliich!
Grüessli Lotte

Anonym hat gesagt…

hallo...

wen mer scho chann en kommentar abgeh, denn söll mer das ja au.. drumm schriib ich jetz was ;-)
das mit em mongolisch choche tönt ja sehr vernünftig.. bin mal gspanne.. aber usgseh tuets uf jedefall guet..
jetz gats ja gar nüm lang und den bisch wieder i de schwiiz.. juhuu..
so jetz verfrühr nöd no, das wäri schlecht..
gruess
manuel